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Michail Beketow wurde wohl wegen seiner Berichterstattung fast totgeschlagen (Foto: RenTV)
Michail Beketow wurde wohl wegen seiner Berichterstattung fast totgeschlagen (Foto: RenTV)
Freitag, 21.11.2008

Journalist fast totgeschlagen, der Autobahnbau störte

Gisbert Mrozek, Moskau. Er störte mit seinen Artikeln bei millionenschweren Bauprojekten. Eine Woche, nachdem der Journalist Beketow halb totgeschlagen gefunden wurde, liegt er noch im Koma. Aber die Öffentlichkeit wacht auf.

Der schlimme Verdacht ist der, dass Michail Beketow (fast) zu Tode geprügelt worden ist, weil er partout die Abholzung von 1.000 Hektar Wald zugunsten des Baus der neuen mautpflichtigen Autobahn Moskau-Petersburg verhindern wollte. Das Waldstück zwischen Moskau, der Vorstadt Chimki und dem Flughafen Scheremetjewo ist eine der großen Grünen Lungen Moskaus.

So wichtig der Wald für die Ökologie, so bedeutend ist der Autobahnbau für die Ökonomie: Die neue Autobahn Moskau-Petersburg ist mit einigen Milliarden Euro Gesamtkosten eines der größten Investitionsvorhaben im Rahmen des Nationalen Straßenbauprogramms, hat strategische Bedeutung und lässt vermutlich alle Beteiligten am Bau kräftig mitverdienen, wie das im russischen „Provisionskapitalismus" so üblich ist.

"Wir machen ihn auch im Krankenhaus fertig"


Am Donnerstag vor einer Woche fanden Nachbarn Michail Beketow, den Chefredakteur und Herausgeber der Chimkinskaja Prawda („Wahrheit von Chimki"), im Hof vor seinem Haus, Kopf und Körper zerschlagen, Erfrierungen an den Händen. Möglicherweise hatte Beketow schon fast einen Tag lang bewusstlos im Hof gelegen.

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Im Krankenhaus musste ein Bein amputiert werden. Und weil selbst im Krankenhaus von Chimki Drohanrufe einliefen, man werde Beketow fertigmachen, wurde der immer noch bewusstlose Journalist schließlich ins Zentrale Unfallkrankenhaus von Moskau, das Sklifasowski Institut verlegt.

Bis heute ringen Beketow und die Ärzte auf der Intensivstation um sein Leben. Die inneren Organe sind zerschlagen, die Lungen kaputt.

Die Öffentlichkeit wacht auf


Kollegen und Freunde empören sich, dass die Miliz die Ermittlungen schleppend oder gar nicht führt. Die russische Journalistenunion und auch die Gesellschaftskammer (Bürgerkammer) fordern Aufklärung. Auch die deutsche Sektion von "Reporter ohne Grenzen" protestierte.

Ermittlungen auf einem Auge blind?


Der Sprecher der sozialliberalen Oppositionspartei Jabloko, Sergej Mitrochin, wundert sich öffentlich, dass die Miliz in Chimki bisher als Tatversionen nur entweder Straßenraub und Alltagskriminalität oder aber die Theorie gelten lassen wolle, dass jemand Beketow zusammengeschlagen habe, um das Verbrechen dann der Stadtverwaltung in die Schuhe zu schieben. Das Naheliegende, nämlich in Richtung Stadtadministration zu ermitteln, werde nicht getan, sagt Mitrochin.

Jahrelang hatte Michail Beketow schon mit seiner „Wahrheit von Chimki" die Verwaltung der Moskauer Vorstadt Chimki genervt. Vor einem Jahr, gerade als das patriotische Russland sich wegen der Verlegung des Soldatendenkmals und -Friedhofs in Tallinn heftig und andauernd empörte, veröffentlichte er in seiner Zeitung, dass direkt vor den Toren Moskaus ein altes sowjetisches Kriegerdenkmal und -Gräber geschändet wurden, weil sie einem Bauvorhaben im Wege lagen.

Chimki kam mit einem ganz unpatriotischen Skandal in die Schlagzeilen


Gräber und Denkmal waren mit Baggern und Baumaschinen ganz und gar unpatriotisch zerstört worden. Ein Teil der sterblichen Überreste kam unter den Bauschutt. Und Michail Beketow hatte mit seiner Beharrlichkeit besonders der Stadtverwaltung von Chimki großen Ärger in der großen Politik bereitet, denn sie hatte in ihrer Dummheit die große nationale Kampagne gestört.

Beketow fordert auf einer kleinen Kundgebung in Chimki den Rücktritt des Stadtverwaltungsdirektors Wladimir Streltschenko.

Beketow seit langer Zeit bedroht


Einen Monat später wurde Beketows Auto gesprengt, etwas später sein Hund von Unbekannten getötet. Beketow bekam Drohanrufe, schaffte sich eine Selbstschutzpistole an - aber veröffentlichte weiter Berichte über die Zerstörung der Grünen Lunge von Chimki.

Moskauer Umweltschützer, deren Internetseite www.ecmo.ru vielleicht nicht zufällig im Moment stark virenverseucht ist, sammeln Medikamente für Beketow und rufen zu Blutspenden auf. Am 29.11. soll in Chimki bei Moskau eine Protestkundgebung stattfinden.



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Stoll 12.04.2013 - 17:36

Kein Land der Welt hat diesen Blutzoll der Journalisten

Über 300 Journalisten sind in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit ums Leben gekommen, allein im vergangenen Jahr wurden zehn Medien-Mitarbeiter getötet.

Diese traurige Bilanz veröffentlichte der russische Journalistenverband am 13. Januar, der als Tag der russischen Presse begangen wird.


Paulsen-Consult 11.04.2013 - 18:58

Der Vorfall lässt nur einen Schluss zu,

im Moskau herrschen dreckige Verbrecher.
Man kann nur hoffen, dass die nicht das russische Volk repräsentieren.


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