Montag, 12.08.2013

Leichtathletik-WM: Bob-Marley-Stimmung in Moskau

Usain Bolt feiert seinen Sieg bei der Leichtathletik-WM in Moskau (Foto: TV)
Moskau. Show, Drama und ein Star: Die Leichtathletik-WM in Moskau hat bereits am ersten Wochenende alles gezeigt, was eine gute Sportveranstaltung ausmacht. Die Zuschauer zieht vor allem ein Jamaikaner in den Bann.
Bei der pompösen Eröffnungsfeier am Samstag war das Stadion noch halbvoll. Rund 35.000 Zuschauer, darunter Russlands Präsident Wladimir Putin und IOC-Präsident Jacques Rogge, sahen ein Fahnenmeer (206 teilnehmende Nationen sind Rekord) und eine mit viel Pathos aufgeladene Show, in der zwar nicht die Mücke zum Elefanten, aber ein kleiner Spatz (WM-Maskottchen) zum Riesenmonster gemacht wurde.

Usain Bolt begeistert die Massen


War die Show eher etwas für Sowjet-Nostalgiker, so begeistern die Wettbewerbe auch die jungen Zuschauer. Vor allem Usain Bolt, Jamaikaner, Weltrekordler, Olympiasieger – und seit Moskau auch wieder – Weltmeister im 100m-Sprint zog die Russen in ihren Bann. Schon im Vorlauf wurde er von der Menge begeistert empfangen.

Bei seinem Start im Finale war das Stadion dann brechend voll. „Bei seinem Erscheinen gab es ein solches Gebrüll, wie es in Luschniki zuletzt wohl beim legendären Match Russland gegen England 2007 erklungen ist“, erklärte ein russischer Sportkommentator. Und die knapp 80.000 wurden nicht enttäuscht. Trotz Regen, der sich nach einem langen heißen Tag, über der russischen Hauptstadt und dem Luschniki-Stadion ergoss, rannte Bolt zu einer neuen Jahresweltbestzeit. In 9,77 Sekunden bei Gegenwind schlug er den WM-Zweiten Justin Gatlin aus den USA (9,85 Sekunden) deutlich.

Den nach mehreren bekannt gewordenen Fällen laufenden Dopingspekulationen um die Paradedisziplin der Leichtathletik konnte Bolt damit wohl nicht davon laufen; die Herzen der Moskauer Zuschauer eroberte er aber im Sturm. Nach dem Sieg wurde aus den Stadionlautsprechern ihm zu Ehren Bob Marley abgespielt. Geht es nach Bolt dürfte bei der WM noch zweimal Reggae-Musik – nämlich beim Finale über 200 Meter und der 4x100 Meter Staffel.

Medaillen-Freude und Enttäuschungen


Aus russischer Sicht eine schöne Überraschung gab es durch den erst 20-jährigen Alexander Iwanow, der sich am ersten Wettkampftag über 20 Kilometer Gehen Gold sicherte. Für die Favoriten Erick Barrondo (Guatemala) und Wang Zhen (China) endete die versuchte Aufholjagd hingegen dramatisch, als sie von den Kampfrichtern disqualifiziert wurden, nachdem sie in den Laufschritt verfielen.

Auch die Deutschen durften bereits jubeln: Der Zehnkämpfer Michael Schrader sicherte sich mit einer persönlichen Bestleistung Silber hinter dem Olympiasieger und Weltrekordler Ashton Eaton.

Trauersekunde hingegen beim schönsten Gesicht der WM: Die Russin Darja Klischina, scheiterte im Weitsprung-Finale wohl vor allem an ihren Nerven und wurde am Ende nur Siebte. „Ich habe alle Kräfte in der Qualifikation gelassen“, versuchte die 22-Jährige hinterher eine Erklärung.