Das Esszimmer in der Mars-Raumkapsel sieht ganz menschlich aus. (Foto: Nickel/.rufo)
Montag, 14.02.2011
Mars-500: Simulierter Marsspaziergang in Moskau
Moskau. Mitten in Moskau haben heute zwei Menschen erstmals den Mars betreten. Sie sind Teilnehmer des Experiments Mars-500, bei dem der Flug zum Roten Planeten in größter Annäherung an echte Bedingungen nachgestellt wird.
Der Russe Alexander Smolejewski und der Italiener Diego Urbina sind am Montag zum ersten Mal auf die Mars-Oberfläche hinausgetreten, meldet Interfax am Montag. Insgesamt seien drei „Ausflüge“ in den Mars-Imitator geplant, sagte ein Sprecher des Instituts für medizinisch-biologische Probleme, auf dessen Gelände das „Raumschiff“ steht.
Wie bei der ersten Mondlandung
Der dritte Teilnehmer des „Spaziergangs“, der Chinese Wang Yue, blieb in der Umsteigekapsel und leistete seinen Kollegen Hilfestellung, die etwa eine Stunde auf der nachgebauten Mars-Oberfläche verbrachten und 40 Minuten früher als geplant zurückkehrten.
Als die beiden Männer den Boden des fernen Planeten betreten hatten, hissten sie drei Fahnen: eine russische, eine chinesische und die Flagge der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Die „älteren Semester“ haben da gleich die Bilder von Neil Armstrongs Mondabenteuer von 1969 vor Augen, als er als erster Mensch den Mond betrat.
Die sechs Marsflieger vor ihrem Abflug. (Foto: Nickel/.rufo)
Dann gab es eine ergreifende Rede „an die Menschheit“ – so ungefähr könnte es tatsächlich einmal aussehen, wenn nicht mehr simuliert wird. In 20 Jahren soll tatsächlich der erste bemannte Flug zum Mars über die Bühne gehen.
Leben auf 550 Kubikmetern
Bei ihrem ersten „Besuch“ auf der Mars-Oberfläche nahmen die „Marsonauten“ Boden- und Gesteinsproben und vermaßen Magnetfelder. Der zweite Austritt aus der simulierten Raumkapsel ist für den 18. Februar geplant, der dritte für den 22. Februar.
Damit ist die nachgestellte Marsexpedition fast an ihrem Äquator angekommen; gestartet war sie am 3. Juni 2010. Die insgesamt sechs Besatzungsmitglieder sollen in 520 Tagen einen Flug zum Mars und zurück unter größtmöglich „echten“ Bedingungen durchführen. Das Einzige, was fehlt, ist die Schwerelosigkeit.
Die Besatzung teilt sich in dieser Zeit ein aus mehreren Modulen zusammengesetztes, insgesamt 550 Kubikmeter großes Areal. Die simulierte Mars-Oberfläche ist 1.200 Kubikmeter groß.
Marsflüge nur international machbar
Russland arbeitet an einem „interplanetaren Transportmodul“ für Marsflüge, erklärte Vitali Dawydow, der stellvertretende Leiter der russischen Weltraumbehörde RosKosmos, bei der Vorstellung der imitierten Mars-Betretung.
„20 Jahre reichen zur Vorbereitung eines echten Marsfluges“, so Dawydow. Der könnte aber nur international durchgeführt werden, weil kein einzelnes Land der Welt so ein technisch komplexes und kostspieliges Experiment umsetzen könne.
Beteiligt würden auf jeden Fall Russland, die NASA und die ESA. „Die Tür steht offen für alle anderen, auch für China“, betonte Dawydow.
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