Auch in diesem Jahr ist der Platz hinter der Wassili-Kathedrale das Zentrum der Moskauer Butterwochenfeiern. Foto: ak/.rufo
Mittwoch, 27.02.2008
Masleniza in Moskau soll Karneval in Rio ablösen
Moskau. Vom 3.–9. März findet in Moskau wie in ganz Russland die Masleniza (dt: Butterwoche) statt. Die Moskauer Stadtregierung hat sich einiges einfallen lassen und schreckt auch vor hohen Vergleichen nicht zurück.
An insgesamt 200 öffentlichen Plätzen könne die Masleniza dieses Jahr in Moskau gefeiert werden, teilte der Leiter des Moskauer Tourismuskomitees, Grigori Antjufejew, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mit. Unter anderem wird die Butterwoche im Ismailowski Kreml, im Ausstellungszentrum an der WDNCh, in den Parks Sokolniki, Kolomenskoje und Zaryzino sowie im Gorki-Park gefeiert.
Höhe- und Mittelpunkt des altrussischen Festes ist wie seit sieben Jahren der Wassiljewski Spusk hinter dem Roten Platz. Dort wird ein „Masleniza-Städtchen“ aufgebaut mit Tee- und Pfannkuchenhäuschen, verschiedenen Ständen mit folkloristischer Handwerkskunst und einer ganzen Reihe von Karussellen und Attraktionen. Zudem wird an verschiedenen Ständen auch „Medowucha“, russischer Honigwein angeboten.
Dmitri Schulzew (links) und Grigori Antjufejew vom Tourismuskomitee wollen Moskau in Rio verwandeln. Foto: ab/.rufo
Allerdings, betonte Antufejew, wird die Medowucha am Roten Platz alkoholfrei sein. Nur auf diese Weise bekam die Veranstaltung den Segen der russisch-orthodoxen Kirche. Saufereien und Schlägereien seien den guten Traditionen des Feiertags abträglich, betonte Bischof Mark Jegorjewski.
„Masleniza hat christliche Traditionen“
„Wenn gesagt wird, dass diejenigen, die Masleniza feiern, einen heidnischen Festtag begehen, so ist dies nur teilweise richtig. Masleniza ist ein Feiertag der gesamten Bevölkerung, die das Ende des langen Winters feiert“, sagte Jegorjewski.
Während der Masleniza sei es üblich, seinen Nächsten alle Sünden zu verzeihen und auch selbst um Vergebung für seine Schwächen und Fehler zu bitten. Dies sei beste christliche Tradition, betonte der Bischof.
Der Fröhlichkeit des Festes soll dies keinen Abbruch tun. Die ganze Woche über sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Unter anderem werden an einem der Zelte kostenlose Bliny (russische Pfannkuchen) verteilt. Der Stand ist leicht zu erkennen, wie die Erfahrung der letzten Jahre zeigt. Davor steht immer die mit Abstand längste Schlange von Besuchern.
Besonders interessant für die Zuschauer verspricht der Karnevalsumzug am Sonntag zu werden. Der Beginn der Veranstaltung ist um 15.00 Uhr am Majakowski-Platz geplant. Die Moskauer Stadtregierung will über 100 Kostümierte organisieren. Private Initiative bei diesem Faschingsumzug entlang der Twerskaja zum Roten Platz wird durchaus begrüßt. Teilnehmen kann jeder.
Konkurrenz zu Rio ?
„Wir hoffen, dass unsere Masleniza irgendwann den Karneval in Brasilien ablöst“, erklärte Antjufejew. Immerhin habe das russische Fest eine 1.000jährige Tradition, während der Karneval in Rio weder auf so eine lange Geschichte noch auf solche Einzigartigkeiten gegenüber anderen Karnevalsveranstaltungen wie die Masleniza verweisen könne, sagte er.
Noch ist freilich der Karneval in Rio deutlich bekannter und publikumsträchtiger als die Masleniza in Moskau, musste Antjufejew eingestehen. Moskau als Tourismusziel bedarf noch einer deutlichen Weiterentwicklung. Im vergangenen Jahr besuchten etwa 4 Mio. Ausländer die russische Hauptstadt – knapp 300.000 kamen aus Deutschland, das damit die größte Gruppe ausländischer Touristen stellt.
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