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| Einsturzgefährdet? Die Moskauer Metrostation Kropotkinskaja (Foto: Jahn/.rufo) | |
Dienstag, 06.06.2006
Moskau bald vom Erdboden verschluckt?
Moskau. Teile des historischen Moskauer Zentrums drohen abzusacken. Schuld sind ständig wachsende Hohlräume im Untergrund der Hauptstadt. Die Fehler beim Metrobau während der 50er bis 80er Jahren machen sich bemerkbar.
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Wagemutig waren die Erbauer der Moskauer Metro. Sie brachten zustande, wovon ihnen westeuropäische Experten abgeraten hatten. Im nassen, ständig bewegten Erdreich erbauten sie eine weit verzweigte Untergrundbahn.
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Unterirdischer Erosionsprozess
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Leider gingen die Ingenieure auch sehr leichtsinnig vor. Das behauptete jedenfalls Ewgeni Paschkin, Professor an der russischen Geologischen Universität, gegenüber der Zeitung Iswestia. Nach seiner Einschätzung drohen Teile des Moskauer Stadtzentrums im Erdboden zu versinken. Der Metro-Bau habe einen unterirdischen Erosions-Prozess ausgelöst, der bis heute andauere.
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Als die Bauarbeiten an der Moskauer Metro vor 70 Jahren begannen, mussten gewaltige Mengen Grundwasser abgepumpt werden. In der Folge sank der Wasserspiegel vom ursprünglichen Niveau in fünf Meter Tiefe beträchtlich ab.
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Wachsende Hohlräume sorgen für Erdrutsche
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Das Ergebnis: Regenwasser, das früher langsam absickerte, rauscht nun durch die ausgetrockneten oberen Erdschichten nach unten und reißt Sand und Gestein mit sich. Zurück bleiben Hohlräume, die zudem beständig wachsen.
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Bereits in den 80er Jahren fiel die Lenin-Bibliothek dem Problem zum Opfer. Durch die Bauarbeiten an den Metrostationen Arbatskaja und Borowizkaja sackte ein Teil des Gebäudes innerhalb weniger Monate um ganze 13 Zentimeter ab.
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Droht Kropotkinskaja-Station der Einsturz?
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Heute sind von der unterirdischen Erosion vor allem das Puschkin-Museum der Bildenden Künste, der Pretschistenski Boulevard, die Ostoschenka- und die Wolchonka- Straße, die Flaniermeile Arbat sowie die Metrostationen Kropotkinskaja, Arbatskaja und Borowizkaja bedroht.
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Ein ähnliches Schicksal wie die Lenin-Bibliothek in den 80er Jahren könnte nach Paschkins Einschätzung bald die Metrostation Kropotkinskaja ereilen. Unter ihren Gängen sollen sich bereits beträchtliche Hohlräume gebildet haben. In den Wänden sind Risse zu erkennen.
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Bedenklich, wenn auch nicht so dramatisch wie bei der Metrostation Kropotkinskaja, ist laut Paschkin der Zustand der Station Majakowskaja. Hier seien in jüngsten Vergangenheit immer wieder Wassereinbrüche festzustellen gewesen.
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Anders als bei der Station Kropotkinskaja seien die Ursachen allerdings weniger in den historischen Sünden der Metroerbauer zu suchen. Vielmehr sei die Überlastung der U-Bahn schuld. Die Tunnels seien von den Erbauern für Züge mit maximal vier Waggons konzipiert worden. Heute seien die Züge aber doppelt so lang. Zudem würden sie in viel kürzeren Abständen durch die Tunnels fahren. Die starken Erschütterungen würden dem gealterten, unterirdischen Bauwerk stark zusetzen.
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Kein Grund zur Beunruhigung
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Keinen Grund zur Beunruhigung sieht der Leiter der Moskauer Metro Dmitri Gajew. Ihm sei nicht bekannt, dass es unter der Metrostation Kropotkinskaja Hohlräume von bedrohlichem Ausmaß gebe. Ursache der Wassereinbrüche in der Station Majakowskaja seien die aktuellen Renovierungsarbeiten. Man sei derzeit damit beschäftigt, die Schäden zu beheben. Der derzeit geschlossene Ausgang könne deshalb nicht wie beabsichtigt Ende 2006 wieder eröffnet werden.
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Entlastung durch neue Stationen
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Zur Entlastung der Metro schlägt Tunnelexperte Paschkin den Bau von zusätzlichen Metrostationen auf den bereits vorhandenen Linien vor. Ähnlich wie beispielsweise in Paris sollen die Abstände zwischen den Stationen auf 600 bis 800 Meter verkürzt werden. Ein engmaschiges Metronetz würde zudem den oberirdischen öffentlichen Nahverkehr entlasten.
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Metro-Chef Gajew stimmte den Vorschlägen zu. So seien bereits mehrere neue Haltestellen geplant: die Stationen Wolokolamskaja auf der Tagansko-Krasnopresnenskaja Linie zwischen Tuschinskaja und Schtschukinskaja, Suworowskaja auf der Kaluschsko-Rischskaja Linie zwischen Prospekt Mira und Nowoslobodskaja sowie Chmelnizkaja auf der Arbatsko-Pokrowskaja Linie zwischen Ploschtschad Revoljuzii und Kurskaja.
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Priorität habe allerdings erst einmal der Bau der neuenLinie, die den nordwestlichen Stadtteil Mitino mit dem Zentrum verbinden soll.
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(cj/.rufo)
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