Mittwoch, 13.01.2010

Moskau: Überwachungs-Kameras liefern falsche Bilder

Statt auf die Überwachungsmonitore zu schauen, hätten sich Moskaus Polizisten auch vor den Fernseher setzen können (Foto: 1. Kanal/newsru)
Moskau. In Moskau gibt es ein dichtes Netz von Überwachungskameras. Allerdings wurde jetzt bekannt, dass eine Betreiberfirma der Polizeibehörde gefälschte Bilddateien von nicht existenten Kameras lieferte – für teuer Geld.
30 Millionen Rubel (ca. 700.000 Euro) soll sich die Firma „StrojMontaschService“ mit den manipulierten Überwachungsvideos innerhalb von sechs Monaten erschwindelt haben, so die Moskauer Polizeiverwaltung.

Effektivität der Video-Überwachung bescheiden


Den Stein ins Rollen brachte das Ermittlungskomitee der Moskauer Staatsanwaltschaft, bei dem man sich über die geringe Effektivität des Kameranetzes ärgerte. Dabei handelt es sich bei dem Projekt der flächendeckenden Überwachung von Straßen, belebten Plätzen und Hauseingängen um ein Lieblingskind von Bürgermeister Juri Luschkow - mit entsprechend üppiger Finanzierung.

Die mindestens 80.000 Kameras im Stadtgebiet (Stand Ende 2008) hätten nur bei einem Prozent aller Kriminalfälle zur Aufklärung beigetragen, so Komitee-Chef Anatoli Bagmet Ende letzten Jahres.

Aha-Effekt: Kameras am gleichen Ort liefern verschiedene Szenen


Daraufhin installierte die Miliz zur Überprüfung eigene Kameras neben den vorhandenen der kommerziellen Bild-Lieferanten. Wie sich herausstellte, lieferten sie mancherorts völlig unterschiedliche Bilder. Damit war klar, dass diese Überwachungskameras nicht mehr Sicherheit bringen, sondern selbst ein Mittel zum illegalen Gelderwerb sind. Denn das Moskauer Stadtbudget zahlt für jede Kamera, die Bilder an die Polizei liefert.

Vorsorge für den Fall einer Online-Kontrolle


Die Videoschwindler hatten sogar Vorsorge für den Fall getroffen, dass aus der Überwachungszentrale der Polizei einzelne Kameras elektronisch überprüft werden. Für diesen Fall schalteten die Computer, die sonst abgespeicherte „Video-Konserven“ an die Miliz lieferten, auf ein Signal um, wonach die betreffende Kamera gerade hochgefahren werde oder wegen eines Defekts kein Signal übermittelte.

Außerdem soll „StrojMontasch-Service“ im September das Kameranetz einer Konkurrenzfirma im Westen Moskaus mit einem Virus infiziert haben. Er wurde just in dem Moment aktiv, als die Behörden das Videoarchiv der Firma einem Test unterziehen wollten.