Donnerstag, 15.10.2009

Moskau im Winter schneefrei: Luschkow auf Wolkenjagd

Der Arbat tief verschneit - solche Bilder soll es dank Wettermacher Luschkow in dieser Saison nicht mehr geben (Foto: ab/.rufo)
Moskau. Schneeschaufeln gehört im Winter zum Alltag der Moskauer Behörden. Das soll der Vergangenheit angehören. Mit Flugzeugen und Chemikalien werden die Wolken vernichtet. Das schadet zwar der Umwelt, spart aber Geld.
Wenn Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow eine Idee hat, dann schlagen Umweltschützer in der Regel die Hände über dem Kopf zusammen. Eine seiner skurrilsten Ideen war wohl die Wiederbelebung eines alten Sowjetprojektes, nämlich der Umleitung der sibirischen Ströme Ob, Jenissej und Lena in Richtung Zentralasien, um dort die Wüste zu bewässern.

Schneedefizit in Moskau


Nun hat er sich vorgenommen, Moskau in eine schneefreie Oase zu verwandeln. General Winter hat einst Napoleon und Hitler aus bzw. vor Moskau vertrieben, nun soll er selbst aus der Stadt ausgetrieben werden. Genauer gesagt, sollen Schneewolken, die ihre Last auf Moskau abwerfen wollen, bereits vor der Stadtgrenze von der russischen Luftwaffe vernichtet werden.

Die Idee äußerte Luschkow das erste Mal auf dem Stadtgeburtstag Anfang September: „Zweimal im Jahr, am Stadtgeburtstag und dem Tag des Sieges, machen wir das Wetter. Was wäre, wenn wir auch den Schnee außerhalb Moskaus abrieseln lassen. Im Moskauer Umland gebe es mehr Niederschlag und damit bessere Ernten, bei uns weniger Schnee.“

Wolkentreiben statt Schneetreiben


Was zunächst als Witz aufgefasst wurde, soll bereits in diesem Winter in die Tat umgesetzt werden. Laut Dekret des Bürgermeisters wird der Moskauer Luftraum zwischen dem 15. November 2009 und dem 15. März auf Schneealarm überwacht. Ist die Schneewolke zu groß, dann wird sie mit Chemikalien abgeschossen.

Man werde nicht jedem Schneeflöckchen nachjagen, verspricht immerhin der Leiter der Abteilung für Kommunalwirtschaft in der Stadtverwaltung, Andrej Zybin. „Die Wolken auseinandertreiben werden wir zwei-, dreimal im Winter, in Extremfällen“, erklärte er.

Stadtverwaltung hofft auf Ersparnis von 2,7 Mio. Euro


Aus dem Haushalt sind für diese Lufteinsätze 180 Mio. Rubel (4,1 Mio. Euro) vorgesehen, laut Stadtverwaltung werden dafür Schneeräumkosten in Höhe von 300 Mio. Rubel (6,8 Mio. Euro) gespart.

Ökologen sind von dem geplanten Eingriff in die Umwelt wenig begeistert. Sie befürchten, dass einerseits der Frost in Moskau die ohnehin nur rar gesäten Bäume und Grünanlagen massiv schädigt, wenn sie nicht von einer Schneedecke geschützt sind. Zudem fürchten sie eine Verschmutzung des Grundwassers durch den übermäßigen Einsatz von Chemikalien.

Schneechaos um Moskau herum


Unzufrieden sind auch die Bewohner des Moskauer Umlands, Beschwerden kommen sogar aus der Nachbarregion Wladimir. Denn der Moskauer Luftkrieg gegen die Wolken droht diese Regionen im Schneechaos versinken zu lassen.

Dennoch kann Luschkow mit dieser Aktion auf die Dankbarkeit vieler Moskauer hoffen. Der ständige Schneematsch und Dreck auf den Straßen, aber auch vor den Eingängen der Metro hat viele Stadtbewohner gestört. Dieses Übel soll nun geringer werden – da ist wohl manchen jedes Mittel recht.