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Stau ohne Ende in Moskau - doch auch in der Metro ist es nicht luftiger (foto: dja/rufo)
Stau ohne Ende in Moskau - doch auch in der Metro ist es nicht luftiger (foto: dja/rufo)
Montag, 05.06.2006

Moskau ist überfüllt: Megaprobleme einer Megapolis

Moskau. Die russische Hauptstadt platzt aus allen Nähten. Nach jüngsten Schätzungen halten sich tagsüber bis zu 25 Millionen Menschen im Raum Moskau auf. Der öffentliche Nahverkehr ist hoffnungslos überlastet.

„Mit der Metro fahre ich nicht zur Arbeit. Das ist mir zu stressig.“ Eine Aussage, die man in Moskau häufig hört. Zumindest von denen, die ein Auto besitzen und nicht auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.

Tatsächlich sind die Waggons der Untergrundzüge vor allem morgens zwischen acht und neun Uhr hoffnungslos überfüllt. Hunderttausende Berufspendler verlassen die Vorstädte und machen sich auf den Weg ins Zentrum. Wer zusteigen will, muss sich seine 20 Zentimeter Standfläche mit dem Ellenbogen frei schaufeln.

Quälend lange Autofahrten


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Doch auch das Auto ist schon lange keine Alternative mehr: Zwar hat man im eigenen Vehikel seine Ruhe und wird nicht getreten und gestoßen wie in den Waggons der Metrozüge. Schneller erreicht man seine Arbeitsstelle deshalb allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Staus auf den Hauptstraßen ins Moskauer Zentrum schwellen morgens und abends auf unüberschaubare Länge an. Die Fahrt vom Moskauer Stadtrand bis zur Arbeitsstelle kann durchaus einige Stunden dauern.

Moskau platzt aus allen Nähten. Vor vier Jahren zählten die zuständigen Behörden rund 10 Millionen Einwohner. Anfang dieses Jahres kamen sie bereits auf 14 Millionen. Wohl gemerkt: Das sind nur die Einwohner, die sich gesetzestreu bei den zuständigen Behörden gemeldet haben und dort dauerhaft oder befristet registriert sind. Nicht eingerechnet sind „illegale“ Stadtbewohner und Tagesbesucher.

Bis zu 25 Millionen Menschen in Moskau


Experten der Moskauer Stadtregierung vermuten deshalb, dass sich täglich weit mehr Menschen in Moskau und dem Moskauer Verwaltungsgebiet aufhalten: Bis zu 25 Millionen – Illegale, Pendler und Touristen mitgerechnet.

Moskau gilt noch immer als die attraktivste russische Stadt. Viele reisen aus den Regionen oder aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu. Sie kommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Denn in Moskau und im Moskauer Gebiet sind das Lohnniveau und der Lebensstandard höher als im restlichen Russland.

Besser illegal, als perspektivlos


Mit befristeten Arbeits- und Studiengenehmigungen stürzen sich die Zugereisten ins Hauptstadtleben. Wenn dann die Aufenthaltsgenehmigung ausläuft, weil der Auftrag erledigt oder das Studium beendet ist, bleiben viele einfach dort. Zurück auf’s Land wollen die wenigsten. Besser illegal in der Hauptstadt, als legal und ohne Perspektive auf dem Dorf, so scheinen sie zu denken.

Der unkontrollierte Zuzug stellt die Stadtverwaltung vor große Probleme. Bei der jährlichen Erstellung des Stadthaushalts werden die Daten des Statistikamts zugrunde gelegt. Doch von welcher Bevölkerungszahl sollen die Haushaltsspezialisten ausgehen? Alles zwischen 14 und 25 Millionen Einwohnern scheint plausibel.

Medizinische Versorgung gesichert?


Problematisch ist auch die Planung einer ausreichenden medizinischen Versorgung. Wie viele Krankenhausplätze müssen für den Notfall zur Verfügung stehen, beispielsweise für eine Epidemie wie die Vogelgrippe? Keiner weiß es. Bei der Städtischen Energieversorgung ist man bereits schlauer. Hier kann man zumindest die zusätzlichen Kosten beziffern, die Touristen und illegale Migranten verursachen. Die Controller haben festgestellt, dass diese Zugereisten den Verbrauch von Wärme, Strom und Wasser um 30 bis 35 Prozent in die Höhe treiben.

Die größten Probleme bereitet der Stadtverwaltung allerdings der Öffentliche Nahverkehr. Die Moskauer Metro, einst gepriesen als eine der schnellsten und leistungsfähigsten Untergrundbahnen Europas, kann den Fahrgastansturm nicht mehr bewältigen. Ausgelegt auf die Beförderung von bis zu 7 Millionen Menschen täglich schaufelt sie an Spitzentagen tatsächlich bis zu 9 Millionen durch die Stadt.

Akkord im Metro-Schacht


Zur Stoßzeit zwischen acht und neun Uhr morgens fahren die Züge im 90-Sekunden-Takt – kürzere Abstände sind aus technischen Gründen nicht möglich.

Der einzig mögliche Ausweg, um des Fahrgastansturms Herr zu werden wäre die Erweiterung des Schienennetzes und der Bau neuer Stationen. Zur Zeit sind 50 neue Streckenkilometer geplant. In den nächsten Jahren soll vor allem die stark belastete Tagansko-Krasnopresnenskaja-Linie entlastet werden, die sich vom Nordwesten zum Südosten durch die Stadt zieht. Außerdem soll es eine zweite Ringlinie rund um das Stadtzentrum geben.

Schlaflos in Moskau


Die Folgen der Überbevölkerung müssen allerdings auch immer mehr Menschen am eigenen Leib verspüren. Psychologen und Mediziner wissen von den pathologischen Folgen der Großstadt-Hektik und des ständigen Lärms. Das Infarktrisiko steigt. Die Häufigkeit von Neurosen, Depressionen und Phobien nimmt zu. Schlaflosigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit sind weitere Symptome bei urban überlasteten Städtern. (cj/.rufo)


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