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| Bagger und Bulldozer fahren in Moskau eine illegale Siedlung zusammen. Die nächste ist bereits im Visier (Foto: TV) | |
Freitag, 29.01.2010
Moskau: Korruption oder Kampf dem illegalen Häuserbau
Moskau. Der Streit um den Bau nichtgenehmigter Siedlungen in Moskau zieht seine Kreise. Oberbürgermeister Juri Luschkow hat weiteren Villenvierteln den Kampf angesagt. Landen nun sogar Minister auf der Straße?
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Die gewaltsame Räumung der Gartensiedlung „Retschnik“ am Ufer der Moskwa ist in vollem Gange, da taucht bereits der nächste Konflikt auf. Auch die Nachbarsiedlung „Insel der Phantasien“ sei illegal, sagt Oberbürgermeister Juri Luschkow. Dabei wohnen in dem Eliteviertel Industrieminister Viktor Christenko, seine Ehefrau und Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa und daneben noch die beiden Oligarchen Iskander Machmudow und Umar Dschabrailow.
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Bau von Wohnvierteln im Naturschutzgebiet verboten In Retschnik fahren die Bulldozer seit Tagen ungeachtet von Schnee, Kälte und Protesten der Anwohner die Häuser zusammen. Die Stadtregierung beruft sich dabei auf ein Urteil eines Moskauer Gerichts, das Bauten in dieser Uferzone der Moskwa verbietet. Das Gebiet gehört zur Naturschutzzone „Moskworezki“.
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Das harte Vorgehen der Moskauer Behörden – die schwere Technik wird von Polizei-Sondereinheiten begleitet – hat inzwischen sogar den Menschenrechtsbeauftragten des russischen Präsidenten, Wladimir Lukin, auf den Plan gerufen. Lukin erklärte, dass durch die Räumung der Häuser im tiefsten Winter „die Bürgerrechte verletzt werden“.
Methoden der Räumung angeprangert Lukin sprach von „halb räuberischen“ Methoden bei der Räumung der Siedlung und forderte die Behörden auf, zu erklären, warum die weitaus größere und luxuriösere Nachbarsiedlung „Insel der Phantasien“ nicht behelligt worden sei, obwohl sie ebenfalls im Naturschutzgebiet stehe.
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Das Schicksal Retschniks scheint trotz der Einmischung Lukins besiegelt. Die Einwohner tragen inzwischen ihr Hab und Gut auf die Straße, in der Angst, dass dies zusammen mit den Häusern vernichtet werde.
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Muss nun auch die Oberschicht um ihre Häuser fürchten? Doch nun könnte es auch für die Bewohner der Nachbargemeinde ungemütlich werden. „Hier sollten Sportobjekte gebaut werden und nicht Häuser für die privilegierten Personen, die dort jetzt wohnen“, sagte Luschkow in einem Interview mit der Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“.
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Der Moskauer Stadtchef hat angekündigt, nun auch gegen diese Bauten vor Gericht zu gehen. In diesem Fall bekommt er es aber mit Gegnern eines ganz anderen Kalibers zu tun. Ein Quadratmeter in der Elitesiedlung wird derzeit zu einem Preis von 17.000 Dollar gehandelt.
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Minister mit Wohnung für 3,7 Mio. USD Dementsprechend elitär ist die Gesellschaft, die sich an diesem schmucken Ort angesiedelt hat. Unter anderem hat hier Russlands Industrieminister Viktor Christenko seine „bescheidene“ Bleibe. Laut Einkommensdeklaration hat die Wohnung 218,6 Quadratmeter, kostet also rund 3,7 Mio. USD. Die Wohnung teilt er sich übrigens mit seiner Ehefrau, Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa.
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Während sich das Minister-Ehepärchen nicht zu Konsequenzen äußern wollte, geht der ehemalige Senator von Tschetschenien, Umar Dschabrailow, in die Offensive: „Man kann die Menschen nicht zweimal bestrafen. Wir haben so schon gelitten, weil wir Wohnungen bei einem Bauherrn gekauft haben, der die Baudokumente falsch ausgefüllt hat“, sagte er. Seinen Angaben nach mussten sich viele der jetzigen Bewohner das Recht auf ihre Wohnung nach dem Kauf vor Gericht erstreiten.
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Luxus-Siedlung steht seit vier Jahren im Naturschutzgebiet Dass es offenbar beim Bau nicht mit rechten Dingen zuging, war eigentlich auch der Stadtverwaltung spätestens Ende 2005 klar. Da nämlich kündigte sie den Vertrag über den Bau des Sport- und Erholungsheims für Behinderte mit der Baufirma.
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Zu der Zeit standen allerdings bereits die ersten Luxusvillen. Später wuchs das Villenviertel unbehelligt weiter an. Warum also Luschkow erst jetzt vor Gericht gehen will, um die Elite-Wohnsiedlung für illegal zu erklären, bleibt unklar.
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