Donnerstag, 11.12.2014

Moskau startet neuen Anlauf für Maut-Einfahrt

Nicht nur die Wetterbedingungen, auch die Zahl der Fahrzeuge in Moskau erschweren den Verkehr (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Not macht erfinderisch – und lässt verworfene Ideen wieder aufleben. Um die leeren Kassen zu füllen, erwägt die Stadtregierung, Gebühren für die Einfahrt nach Moskau zu erheben. Für’s Parken wird bereits kräftig kassiert.
Zwei Varianten kursieren derzeit in den Medien: Plan A sieht eine einheitliche Maut von 200 Rubel (derzeit drei Euro) für alle Fahrzeuge vor, die den Autobahnring MKAD queren. Plan B hingegen enthält eine Staffelung. 100 Rubel (1,50 Euro) kostet die Einfahrt in den Bereich des MKAD, weitere 150 Rubel (gut zwei Euro) werden fällig, wenn der Fahrer innerhalb des zentrumsnäheren Dritten Rings unterwegs ist.

Eine Unterscheidung von Pkw und Lkw wird bei diesen Planspielen nicht getroffen. Unklar ist auch noch, ob die Regelung auch Fahrzeuge mit Moskauer Kennzeichen betrifft oder nur Pendler. Ebenfalls noch nicht entschieden ist die Frage, wie mit Transitfahrzeugen umgegangen wird.

Kameras statt Schlagbäume


Dafür präsentierte das Verkehrsministerium der Stadtregierung bereits einige technische Details. Schlagbäume wird es demnach nicht geben, diese würden die ohnehin bestehenden gravierenden Stauprobleme Moskaus nur verschlimmern. Stattdessen sollen alle Nummernschilder der nach Moskau einfahrenden Fahrzeuge mit speziellen Kameras gescannt werden, um deren Besitzern anschließend eine Rechnung ins Haus zu schicken.

Eine erste Testphase könnte bereits im März 2015 starten. „Wenn die Entscheidung über eine gebührenpflichtige Einfahrt nach Moskau getroffen wird, erhalten Fahrzeugbesitzer die ersten Rechnungen schon im August nächsten Jahres“, erklärte ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Zweiter Anlauf für Maut


Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadtregierung sich mit Maut-Plänen trägt. Schon 2010 nach der Amtseinführung von Sergej Sobjanin tauchten Überlegungen auf, die Einfahrt ins Zentrum mit einer Maut zu belegen, verschwanden nach scharfer Kritik dann aber wieder in der Schublade.

Die „Föderation der Autobesitzer Russlands“ (FAR) hat auch diesmal den Vorschlag heftig kritisiert. Die Maßnahme sei nicht effizient, um den Stau in Moskau zu besiegen, erklärte FAR-Präsident Sergej Kanajew. Die Maut-Pläne sind allerdings offenbar schon so weit gediehen, dass selbst die einflussreiche FAR nicht mehr auf vollen Konfrontationskurs geht. Kanajew schlägt als Kompromiss eine zeitliche Staffelung der Tarife vor: Demnach wird es zur Stoßzeit morgens zwischen acht und elf Uhr am teuersten, die Stadtgrenzen zu passieren. Nachts hingegen (20 – 6 Uhr) soll die Einfahrt kostenlos bleiben.

Verdienen am Parkplatzmangel


Bereits jetzt ist Moskau für Fahrzeugbesitzer ein teures Pflaster. Seit im Jahr 2013 das Zentrum zur gebührenpflichtigen Parkzone erklärt wurde, hat die Stadt das Territorium stetig erweitert. Inzwischen gibt es innerhalb des Dritten Rings kaum noch kostenlose Parkplätze. Pro Stunde werden zwischen 40 und 80 Rubel (0,60 – 1,20 Euro) fällig. Anrainer zahlen einen Jahresbeitrag.


Zum Jahreswechsel ist eine neue Erweiterungsrunde geplant. Langfristig soll Parken im gesamten Stadtgebiet kostenpflichtig werden. Berechnungen nach soll allein diese Maßnahme, verbunden mit den drastischen Strafen für abgeschleppte Falschparker, dem städtischen Etat rund vier Milliarden Euro pro Jahr einbringen.