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Überfüllte Müllcontainer (Foto: triraiona.ru)
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Donnerstag, 03.10.2013

Moskau will sich künftig stärker um seinen Mist kümmern

Moskau. Moskau steht der Dreck bis zum Hals: Millionen Tonnen Müll landen jährlich unverarbeitet auf der Halde. Die Müllkippen sind an der Kapazitätsgrenze angekommen. Nun setzt die Stadtregierung verstärkt auf Recycling.

Seit Jahresbeginn läuft in der russischen Hauptstadt ein Experiment zur Verarbeitung von Hausmüll. Derzeit ist der Versuch auf den Stadtteil „Jugo-Sapadnaja“ (Südwest) beschränkt. Die Ausschreibung für die Müllentsorgung gewann die angeblich mit Roman Abramowitsch verbandelte „MKM Logistika“.

Vier neue Stadtbezirke sollen Müll recyceln


Nun soll das Experiment – weil erfolgreich – deutlich ausgeweitet werden. Am Donnerstag hat Bürgermeister Sergej Sobjanin eine Direktive unterzeichnet, wonach künftig auch in den Moskauer Bezirken Nord, Nordost, Südost und West der Müll nicht nur einfach abgefahren, sondern auch verarbeitet werden soll.

„In jedem Stadtteil wird ein Dienstleister durch eine offene Ausschreibung festgelegt. Mit diesem wird ein Vertrag für 15 Jahre geschlossen“, erklärte ein anonymer Sprecher der Stadtverwaltung gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax.

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Millionenaufträge winken


Die Aufträge sind durchaus lukrativ: So kassiert MKM Logistika für die Müllbeseitigung im Südwesten Moskaus etwa 25 Mrd. Rubel (entspricht gut einer halben Milliarde Euro). Interesse soll deshalb neben Abramowitsch auch der Wladimir Putin nahe Milliardär Gennadi Timtschenko haben.

Die Ausschreibung sieht allerdings auch hohe Ausgaben vor. Investoren müssen die nötige Infrastruktur erst noch schaffen. Neben den Müllhalden sind das Sortier- und Recyclingstationen. Auch der Fuhrpark der künftigen Müllunternehmer muss besonderen Anforderungen entsprechen.

Die neuen Müllautos müssen nicht nur der Abgasklasse Euro-4 entsprechen, sondern sollen auch mit Messgeräten für radioaktive Strahlung und einem Ortungssystem von Glonass oder GPS ausgestattet sein.

Müllgeschäft intransparent und halb kriminell


Die letzte Forderung dient dazu, die Routen der Müllwagen nachzuvollziehen, denn bisher ist das Müllgeschäft in der russischen Hauptstadt sehr intransparent und halb kriminell. Viele Unternehmer laden den Müll einfach in irgendwelchen Senken im Moskauer Umland ab.

Insgesamt gibt es im Moskauer Gebiet 39 offizielle Müllkippen, davon sollen 24 in nächster Zeit geschlossen werden. Daneben hat die Umweltbehörde knapp 1.300 illegale Halden fixiert.

Boden und Grundwasser vergiftet


Aber egal ob legal oder illegal: Verarbeitet wird der Müll ohnehin nicht. Jahrelang modert er vor sich hin und vergiftet oft Boden und Grundwasser. Zudem sind die legalen Müllhalden längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Offiziellen Angaben nach produziert Moskau sechs Millionen Tonnen Hausmüll im Jahr. Mit dem Umland sind es laut dem Journalisten Lew Parchomenko sogar zehn Millionen Tonnen pro Jahr. Seinen Angaben nach reicht der Platz gerade noch für die nächsten zwei Jahre.

Für eine Neuausrichtung der Entsorgungspolitik wird es also höchste Zeit. Ob sich das Problem allein durch die Auswahl neuer Müllfirmen regeln lassen wird, ist allerdings fraglich. Noch ist das Problem Müllvermeidung zu wenigen Russen bewusst.



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