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| Der Auferstehungskirche in Moskau droht Gefahr durch einen Neubau. (Foto: Schultz/.rufo) | |
Mittwoch, 16.06.2010
Moskauer Denkmalschützer kämpfen gegen die Abrissbirne
Moskau. Gegenüber vom Kreml, nicht weit von der Tretjakow-Galerie sollen historische Bauten einem neuen renditeträchtigen Büro- und Wohnkomplex weichen. Anwohner und Denkmalschützer protestieren heftig gegen das Vorhaben.
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Mit schwerem Baugerät rückte die Firma TorgProduktService in der vergangenen Woche an, um die Abrissarbeiten in der Kadaschi-Gasse in Moskau-Samoskworetschije fortzusetzen.
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Doch das Vorhaben scheiterte erneut am Widerstand von Demonstranten, die die Zufahrten zur Baustelle durch eine lange Menschenkette blockierten. Der Bauherr zog ab, doch der Kampf um den Erhalt der historischen Gebäude in der ehemaligen Handwerker- und Kaufmannsvorstadt dauert weiter an.
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Neubau zerstört historisches Stadtbild Einen Teilsieg haben die Demonstranten indes schon errungen. Der ursprüngliche Plan, rund um die denkmalgeschützte uralte Auferstehungskirche von Kadaschi ein supermodernes Wohn- und Bürogebäude zu errichten, ist vom Tisch.
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Doch die Aktivisten geben sich damit nicht zufrieden. „Die Errichtung eines kleineren Gebäudes ändert nichts an der Problematik, dass historische Bauwerke abgerissen werden und das ursprüngliche Stadtbild durch die Neubauten zerstört wird“, erklärt Natalja Samower, Koordinatorin der sozialen Bewegung ArchNadsor (ArchNadzor).
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Historisches Kirchengebäude in Gefahr Der ursprüngliche Projektentwurf sah vor, auf einer Fläche von 36.000 Quadratmetern einen vier- bis sechsstöckigen Wohn- und Bürokomplex zu errichten. Der Neubau aus Beton und Glas sollte die alte Kirche von drei Seiten umgeben und über eine Tiefgarage mit einer Parkfläche von 15.000 Quadratmetern verfügen.
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Die unterirdische Parkfläche wäre nach Angaben von unabhängigen Gutachtern eine ernsthafte Gefahr für die Kirche geworden und hätte das alte Gebäude in seinen Grundfesten erschüttert.
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Als die Firma TorgProduktService im Oktober vergangenen Jahres mit den Abrissarbeiten begann, war der öffentliche Aufschrei dementsprechend groß. Die städtische Denkmalschutzbehörde (MosKomNasledije) entzog der Firma kurzerhand die zuvor schon erteilte Abrisserlaubnis und schickte das Projekt zur Überarbeitung in die Instanzen.
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| Die alten Häuser in der Kadaschi-Gasse stehen unter Denkmalschutz. (Foto: Schultz/.rufo) | |
Bürgermeister Luschkow unterstützt Neubau Der neue Projektplan sieht nun die Errichtung eines zwei- bis dreistöckigen Gebäudes vor. Die Baufläche ist von 36.000 auf 11.000 Quadratmeter geschrumpft, und die Tiefgarage soll nur noch knapp ein Fünftel der ursprünglich geplanten Fläche einnehmen.
Genehmigt ist das neue Projektvorhaben noch nicht, doch das hält den Bauherren nicht davon ab, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Dabei hat er prominente Rückendeckung:
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Bürgermeister Juri Luschkow sagte in einem Fernsehinterview, dass nur die Auferstehungskirche ein zu schützendes Denkmal sei, die umliegenden Gebäude aber keinen historischen Wert hätten. Der Abriss sei deshalb völlig rechtmäßig und der Bau würde fortgesetzt.
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Umstrittene Rechtslage Die Mitglieder von ArchNadsor sehen das anders. Als das Gelände noch nicht durch eine private Sicherheitsfirma abgeriegelt war, hatte ein von der Gruppe eingeladener Archäologe in den alten Häuserruinen Schmuckkacheln und Keramikscherben aus dem 17. und 18. Jahrhundert gefunden. Offenbar ist die Wertschätzung bei den Konfliktparteien aber doch sehr unterschiedlich.
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Die Aktivisten pochen darauf, dass die Bauerlaubnis, die der Firma im Jahr 2002 per Dekret von der Moskauer Regierung erteilt wurde, gesetzeswidrig ist. Per Gesetz sei ausdrücklich Neubau in Denkmalschutzgebieten verboten. Die Erlaubnis wäre in diesem Fall hinfällig.
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Das Problem ist dies: Die Schutzzone um die Auferstehungskirche von Kadaschi herum ist in ihren Grenzen bislang nicht definiert. Und die Behörden haben keine Eile, diese festsetzen.
Neubau profitabler als der Erhalt der alten Bauwerke Das Bauprojekt lohnt sich für die Stadt, denn sie müsste zukünftig nicht mehr für die Instandhaltungskosten der alten Bauwerke aufkommen. Außerdem, so kommentiert die Moskauer Zeitung Nowaja Gaseta, könnten die städtischen Bürokraten daran interessiert sein, am Bau kräftig mitzuverdienen.
Die zahlreichen Genehmigungen, die für ein solches Bauprojekt notwendig sind, seien ein idealer Boden für Schmiergelder.
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Aufgrund des starken Bürgerprotestes gegen das Bauvorhaben hat sich nun die Staatsanwaltschaft in die Angelegenheit eingeschaltet. Sie soll klären, ob der Bauherr berechtigt ist, die alten Gebäude abzureißen. Solange die Untersuchungen andauern, ist eine Fortführung der Bauarbeiten untersagt.
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Die Mitglieder von ArchNadsor patrouillieren dennoch Tag und Nacht vor dem Baustellengelände, denn sie befürchten, dass der Bauherr doch über Nacht wieder mit Presslufthammer, Bagger und Abrissbirne anrücken könnte.
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