Mittwoch, 11.05.2011

Moskauer fordern Denkmal für Sowjetdiktator Stalin

Dieses Straßenschild weist darauf hin, dass die Kunzewskaja-Straße bis 1962 Stalin-Straße hieß.
Moskau. Eine Gruppe von Moskauern hat sich an die Stadtregierung mit der Bitte gewandt, die Aufstellung eines Stalin-Denkmals zu genehmigen. Die Ausführung der Gedenktafel haben die Bürger schon in Auftrag gegeben.
Aufgestellt werden soll die Gedenktafel im Westen der Stadt, genauer gesagt an der Kunzewskaja-Straße. Die hieß bis 1962 Stalin-Straße, worauf ein von der Stalin-Initiativgruppe angebrachtes Straßenschild nun auch wieder explizit hinweist.

Gedenktafel für Stalin schon bestellt


Das Straßenschild soll von einer rechteckigen 60 x 80 Zentimeter langen Metalltafel abgelöst werden, auf der ein Reliefbild Stalins zu sehen ist. Die Gedenktafel wurde bereits beim Bildhauer Kanurin bestellt.

Mit der Tafel solle das Andenken Stalins geehrt und „der historische Kontext gewahrt“ werden, erklärten die Stalin-Anhänger. Eine ähnliche Aktion fand in St. Petersburg statt, wo Kommunisten ohne Erlaubnis eine Stalin-Gedenktafel an ein Haus anbrachten, in dem der Sowjetdiktator 1917/1918 gelebt hatte.

Offene Stalin-Debatte in Russland lange unterdrückt


Die Debatte um Stalin hält in Russland seit Jahren an: Schon in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden im Zuge der Entstalinisierung Stalingrad, Stalino und die vielen Stalin-Straßen umbenannt, Stalin-Denkmäler abgerissen oder fortgeschafft und der Strafvollzug reformiert.

Die Verbrechen der Stalinzeit wurden allerdings jahrzehntelang verschwiegen, so dass bis heute viele Russen in Stalin vor allem den erfolgreichen Oberbefehlshaber der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg (für die Russen der „Große Vaterländische Krieg“) sehen. Die rücksichtslose Industrialisierung auf Kosten der Landbevölkerung, der Millionen Menschen durch Hungersnöte zum Opfer fielen, die „Säuberungen“ und Repressionen in den 30er Jahren und Kriegsverbrechen der Sowjetunion (Stichwort: Katyn) werden von den Stalinisten bis heute relativiert oder geleugnet.

Dserschinski wieder zurück auf die Lubjanka?


Auch andere Protagonisten der frühen Sowjetjahre haben wieder Konjunktur. So führte der Vorschlag, auf dem Lubjanka-Platz vor der Geheimdienstzentrale ein Gagarin-Denkmal aufzustellen, zu erheblichen politischen Diskussionen. Bis 1991 stand dort das Denkmal des Tscheka-Gründers Felix Dserschinski. Eine Reihe prominenter Politiker und Künstler ist dafür, dessen Büste wieder an „seinen gebührenden Platz“ zu stellen.

Derzeit steht das Dserschinski-Denkmal im Skulpturenpark am Haus des Künstlers. In dem gleichen Park gibt es übrigens auch ein übergroßes Stalin-Denkmal. Diesem Denkmal haben Russen aber vor langer Zeit die Nase zertrümmert.