Auch die Ticketkontrollautomaten an den Bahnhöfen halten die Menschen nicht vom Schwarzfahren ab. (Foto: newsru.com)
Mittwoch, 27.01.2010
Moskauer Gebiet: Schwarzfahren gegen Preiserhöhungen
Moskau. Seit dem 1. Januar müssen Pendler für die Fahrt in den Moskauer Vorortzügen im Schnitt das Dreifache des Vorjahrespreises bezahlen. 60 Prozent von ihnen sehen Schwarzfahren als einzigen Ausweg aus dem Dilemma.
Statt 14 Rubeln (etwa 33 Cent) müssen für eine Fahrt aus der näheren Umgebung in die russische Hauptstadt jetzt 42,5 Rubel hingeblättert werden, was etwa einem Euro entspricht.
Umgerechnet auf den ganzen Monat kommen Mehrausgaben von 3.000 Rubeln auf die Pendler zu, und das können sich die meisten nicht leisten. Eine Umfrage von RIA Novosti im Live Journal ru_railway ergibt jetzt: Knapp ein Drittel der Passagiere wollen „den Hasen machen“.
Der „Hase“ ist im Russischen eine bildliche Umschreibung für das Schwarzfahren. Wahrscheinlich, weil das Tier mit den langen Klopfern sich schnell aus dem Staub machen kann und die Kontrolleure dann – ebenfalls bildlich gesprochen – mit langen Ohren (also einer langen Nase) zurückbleiben.
Nur ein Viertel der Befragten will weiterhin brav den Fahrschein lösen. Viele von ihnen geben zu bedenken, dass sie dann die Schwarzfahrer mitfinanzieren müssen und die Preise bald schon wieder steigen würden.
7,8 Prozent der Blogger hat vor, sich nach einer Arbeit in der Nähe umzugucken; 6,2 Prozent gaben sogar an, in Zukunft zu Fuß gehen zu wollen. Andere sehen in der Preiserhöhung den letzten Anstoß dafür, endgültig auf die eigenen vier Räder umzusteigen. Für die staugeplagte Stadt ist das keinesfalls eine gute Aussicht.
Keine Mittel gegen Schwarzfahrer
Es mehren sich die Beschwerden wütender Passagiere beim Verbraucherschutz, und auch die Antimonopolbehörde hat die RZD (Russischen Eisenbahnen) bereits im Visier. Der Chef der Moskauer RZD-Zentrale begründet die Preisschraube damit, dass im Passagiernahverkehr 4,8 Milliarden Rubel (113 Millionen Euro) minus eingefahren wurden.
Laut Bahnchef Wladimir Jakunin fahren im Schnitt bereits jetzt 30 Prozent der Passagiere schwarz, aber es gäbe kein Mittel, etwas dagegen zu tun. „Wir brauchen entsprechende Gesetzesakte, um Schwarzfahrer zum Zahlen zu bringen“, sagte er heute vor der Staatsduma.
„Mit den heutigen Bestimmungen sind wir gegen Schwarzfahrer machtlos“, so Jakunin.
Das Wetter ist zwar nun deutlich kühler geworden, doch einige Moskauer genießen die letzten Sonnenstrahlen des Sommers im Stadtpark von Lefortowo. ( Topfoto: Ballin/.rufo)