Das Maß ist voll: Zur Rush hour passt in den meisten Metro-Waggons kein Blatt Papier mehr zwischen die Fahrgäste (Foto: de Carli)
Donnerstag, 24.04.2008
Moskauer Metro: 130 Kilometer neue Strecke bis 2015
Moskau. Laufend neue Stationen, Bezahlung des Tickets per Kreditkarte und ein geplanter Ausbau des Netzes um 130 Kilometer bis 2015. Die Moskauer Metro versucht mit dem raschen Wachstum der Hauptstadt mitzuhalten.
Die Metro ist die Lebensader der Millionenstadt Moskau. Kaum vorstellbar, was passieren würde, müssten sich die täglich mehr als neun Millionen Passagiere auch noch in den meist stockenden städtischen Privatverkehr einreihen. Doch trotz Zügen, die zur Stosszeit fast im Minutentakt verkehren, ist die Metro überlastet.
Sein Betrieb müsse mit dem rasanten Wachstum der Stadt mithalten, verkündet der Chef der Moskauer Metro, Dmitri Gajew, gleich zu Beginn der gestrigen Pressekonferenz – Thema: Aktuelle Probleme und Zukunftsaussichten des Unternehmens.
Damit dies gelingt und die Moskauer Metro weiterhin eine Vorbildfunktion für andere U-Bahnnetze übernehmen könne, sei man momentan in zwei Bereichen aktiv. Erstens werde der Fahrkomfort verbessert. Neue Züge würden in den nächsten Jahren laufend in Betrieb genommen.
Metrofahren auf Kredit
Ein weit grösseres Problem sieht Gajew aber darin, dass die Passagiere gegenwärtig viel zu viel Zeit brauchen, bis sie überhaupt einen Zug besteigen können. Es komme vor, dass an einer Kasse bis zu 25 Minuten für ein Ticket angestanden werden müsse. Zur Entlastung der Kassen will er bald das Bezahlen per Kreditkarte möglich machen.
Dmitri Gajew, Chef der Moskauer Metro, will das sein Unternehmen wieder Vorbildfunktion für andere Untergrundbahnen hat (Foto: de Carli)
Die nahe Zukunft seines Unternehmens beschreibt Gajew rosig. Bis 2015 sei eine massive Erweiterung des Netzes um 130 Kilometer geplant. Das heutige Netz umfasst 293 Kilometer. 60 dieser zusätzlichen Kilometer seien im Budget der Stadt enthalten. Zur Finanzierung des Rests rechnet er mit der Unterstützung der Russischen Föderation, da die Metro nicht nur für Moskau, sondern für ganz Russland eine zentrale Bedeutung habe.
In den 90er Jahren sei hin und wieder mal eine Station eröffnet worden, meint Gajew, selber schon seit 1995 im Amt. Jetzt würde der Ausbau beschleunigt. Er kündigt die Eröffnung von zwei Stationen im Jahr 2009 an. Ende 2009 erreiche die Metro auch den nördlichen Stadtteil Mitino und Ende 2010 werde in dessen Zentrum eine weitere Station eröffnet.
Stetiger Ausbau, aber keine langfristige Lösung
Überall wird ausgebaut. An bestehende Linien zusätzliche Haltestellen angehängt. Längerfristig wird dies aber keine Lösung für die Staus in den Gängen und vor den Rolltreppen der Metrostationen sein. Schon heute sind auf vielen Linien zu den Hauptverkehrszeiten die Wagen nach den ersten paar Stationen proppenvoll, so dass in näher am Zentrum liegenden Stationen das Zusteigen kaum mehr möglich ist.
Auch für die Anliegen überforderter Touristen scheint der Metro-Chef momentan kein Gehör zu haben. Auf die Frage, was denn in Zukunft unternommen werde, damit nicht russischsprachige Passagiere mit der spartanischen Beschilderung in den Stationen besser klar kommen, antwortet er bloss:
„In München sind die Stationen auch nur auf deutsch angeschrieben.“
(ldc/.rufo/Moskau)
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