Donnerstag, 18.03.2010

Moskauer Müllcontainer bekommen Internet-Anschluss

Ein Entsorgungskonzept sieht anders aus. Und dies ist auch kein Webkamera-Bild aus Moskau, sondern ein Foto einer Petersburger "Pomoika" (Foto: ld/.rufo)
Moskau. Im Norden Moskaus sollen die kommunalen Müllcontainer durch Web-Kameras beobachtet werden – der Sauberkeit und einer effektiveren Abfuhr zuliebe. Auch die Müllautos werden technisch revolutioniert.

Oleg Mitwol, der Präfekt des Moskauer Nord-Bezirks war schon auf seinem früheren Posten als Vize-Chef der russischen Umweltaufsichtsbehörde immer für originelle Ideen und medienwirksame Aktionen gut. Als Beamter der Stadtverwaltung versucht er nun, an der Basis die ökologischen Lebensumstände für eine Million Moskauer zu verbessern.

Ein drängendes Problem sind dabei die immer wieder überquellenden Müllcontainer, die anschließend von einem klapprigen Müllauto entleert werden - worauf ein „Dwornik“ rundherum erst einmal alles sauber machen sollte.

Nach dem Vorbild von Europas Saubermann-Nationen


Seit Dezember würden in seinem Sprengel nun die knapp eine Kubikmeter fassenden alten Müllbehälter durch 300 tiefe Sammelcontainer ersetzt, die, so Mitwol, es nun erlauben, „alle sanitären Normen zu beachten“. Das in „Schweden, Finnland und der Schweiz“ verwendete System würde bis zum Herbst endgültig eingeführt, wenn dann auch zehn neue Müllautos den Dienst aufnehmen.

Abfall erst im Internet, dann in der Presse


Die neuen, der scharfen Euro-5-Abgasnorm entsprechenden Fahrzeuge werden dann „60 qualmende Kamaz“ ersetzen. Denn im Gegensatz zu den alten Müll-Lastern haben die Öko-Lkw Systeme zum Pressen des Hausmülls an Bord – und können so statt bisher 20 Kubikmeter bis zu 100 Kubikmeter Abfälle aufnehmen und abtransportieren.

Clou der neuen Müll-Logistik im Norden Moskaus soll allerdings sein, dass jeder der neuen Sammelcontainer durch eine Webkamera beäugt wird. „Wir führen gerade Verhandlungen mit Greenpeace, damit man von dessen Webseite auf den Menüpunkt Müll-Webkameras gehen und dort sehen kann, wer und wie etwas wegwirft und was dort eigentlich abläuft“, so Mitwol.

GPS-Navigation für Müllkutscher


Die Online-Beobachtung der Müll-Sammelplätze wird es zugleich erlauben, die Arbeit der neuen Müllfahrzeuge effektiver zu machen. Schließlich sollen auch die neuen Entsorgungs-Trucks vom „Großen Bruder“ genau beobachtet werden.

Laut Mitwol werden sie mit dem russischen Satellitennavigations-System Glonass ausgerüstet, dass ihre Fahrtrouten aufzeichnet. Die Müllmänner verlieren so die Möglichkeit zum Schwarzarbeiten: „Bislang kann ein Müllfahrer auch den nächsten Supermarkt ansteuern und auf Kosten der Bürger von dort den Müll mitnehmen.“