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| Das Loch misst drei Quadratmeter. Bis zu 200 Gramm TNT haben die Täter am Wachpersonal vorbeigeschmuggelt und im Treppenhaus der Moskauer Uni deponiert (Foto: Yupiter). | |
Montag, 29.01.2007
Moskauer Uni: Erneut Anschlag trotz mehr Wachpersonal
Moskau. Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ist im Hauptgebäude der Moskauer Universität ein Sprengsatz explodiert. Bis zu 200 Gramm TNT rissen ein gewaltiges Loch in das Treppenhaus. Wer die Täter sind, bleibt unbekannt.
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(4:32 Uhr, Titanik foruma) „Irgendwas hat geknallt.“ (4:34 Uhr, beefeater) „Sektor W, das Treppenhaus oder irgendwo da in der Nähe, obere Etagen.“ (4:35 Uhr, Siliconetz) „Ich wohne auf der 16. Das muss ganz nahe sein. Man kann kaum noch atmen.“
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Aufgeregt tauschten sich die Studenten der Moskauer Lomonossow Universität (MGU) in ihrem virtuellen Forum aus. Es war die Nacht von Donnerstag auf Freitag, vergangene Woche. Kurz nach halb fünf Uhr morgens war ein Knall zu hören. Bald verdichteten sich die Informationen und es war klar: Im Hauptgebäude der Universität, einem gewaltigen Stalinbau auf den Sperlingsbergen, ist erneut ein Sprengsatz detoniert.
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Drei Quadratmeter großes Loch
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Die Bombe ging in einem Flügel des Hauptgebäudes hoch, in dem sich Wohn- und Schlafräume der Studenten befinden. Glücklicherweise deponierten die Täter den Sprengsatz im Treppenhaus einer leer stehenden Etage, die nach dem Brand im April 2006 gerade renoviert wird.
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Mit der Handy-Kamera aufgenommene Schnappschüsse des Anschlagsorts zeigen das Ausmaß der Explosion: Schutt und Trümmer stapeln sich. Die vermutlich bis zu 200 Gramm TNT-Sprengstoff haben ein beachtliches, drei Quadratmeter großes Loch in das Treppenhaus gerissen.
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Anschlagserie
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| Drei Sprengsätze explodierten in den vergangenen zwölf Monaten im Hauptgebäude der Moskauer Lomonossow Universität (MGU) auf den Sperlingsbergen (Foto: Archiv). |
Die Explosion ist die dritte auf dem Gelände der MGU innerhalb weniger Monate: Im Januar hatte ein Student mit explosiven Substanzen in einer Wohnheimsküche experimentiert. Bei der Explosion gab es Verletzte.
Und im November hatten Unbekannte eine Bombe in einem Wohnheim der Universität zur Detonation gebracht. Sie hinterließen außerdem einen zweiten Sprengsatz, der jedoch rechtzeitig entschärft werden konnte.
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Verunsicherung unter den Studenten
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Unter den Studenten herrscht Ratlosigkeit bis Verunsicherung. Aleksej Knelz, Student an der Journalistik-Fakultät der MGU, ist es leid, seine Alma Mater dauernd in den Negativschlagzeilen zu finden. Das sei auch die Meinung vieler seiner Kommilitonen.
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„Die Medien haben in Wirklichkeit keine harten Fakten zu vermitteln und spinnen zum Teil peinliche Theorien“, meint Knelz. In einem Zeitungsbericht aus dem Januar vergangenen Jahres habe es beispielsweise geheißen, ein Student habe explosive Substanzen gleichzeitig mit seinem Mittagessen – den traditionellen „Pelmeni“-Teigtaschen – in einem mit Wasser gefüllten Topf erhitzt. Absurd sei das.
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Verbindung zur nationalistischen Szene
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Die Tageszeitung „Wremja Nowostej“ spricht indessen mittlerweile von einer Anschlagsserie und glaubt, dass die Polizei die Ereignisse jetzt ernster nimmt und nicht mehr bloß als Vandalismus abtut. Mögliche Verbindungen zur nationalistischen und extremistischen Szene würden untersucht.
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| Spuren der Zerstörung - festgehalten mit der Handy-Kamera nach dem Anschlag vom 25. Januar 2007 (Foto: Yupiter). |
„Wremja Nowostej“ erinnert in diesem Zusammenhang an einen Sprengstoffanschlag auf dem Moskauer Tscherkisow-Markt, bei dem im August vergangenen Jahres zwölf Menschen starben. Nach dem Anschlag wurden mehrere Studenten verschiedener Lehreinrichtungen unter Tatverdacht festgenommen.
In der Montagsausgabe von „Wremja Nowostej“ heißt es weiter, noch in der Nacht des letzten Sprengstoffanschlags seien am Moskauer Flughafen Domodedowo die Aktivisten der „Nationalbolschewistischen Partei“ Sergej Aksjonow und Pawel Scherebin und der „Avantgarde Rote Jugend“ Sergej Udalzow und Aleksandr Schamilow festgenommen und später verhört worden.
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Hilfloses Wachpersonal
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Student Knelz kann nicht erkennen, dass die Behörden nach den ersten Anschlägen viel für die Sicherheit der Studenten auf dem Uni-Gelände unternommen hätten. Das Einzige, was sich geändert habe: Es sei mehr Wachpersonal eingestellt worden. „Das sind Leute von privaten Firmen, so genannten ‚TschOP’. Die sitzen einem in den Räumen der Uni gegenüber und gaffen einen dumm an.“ Eine spezielle Ausbildung hätten die Wächter nicht, vermutet Knelz.
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Auch die Zeitung „Wremja Nowostej“ berichtet von der Hilflosigkeit des Wachpersonals in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar. In ihrer Montagsausgabe zitiert die Redaktion einen Studenten mit der Aussage, die Wachleute hätten tatenlos auf den Gängen der Universität herumgestanden. „Sie wussten selbst nicht, was sie tun sollten, bis endlich die Rettungsmannschaften eintrafen“, so der Student.
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Bei den Studenten stehen die Wachleute nicht hoch im Kurs. Bereits kurz nach der Explosion waren im virtuellen Forum der Studenten ironische Kommentare zu lesen: „Ob wohl der Wachmann durch den Knall aufgewacht ist?“, wollte ein Teilnehmer wissen.
(cj/.rufo)
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