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Auf diesem Werbeplakat preist sich die Moskauer Polizei als Freund und Helfer an, aber in der Realität folgen die Beamten nicht immer dem Ideal. (Foto: Ballin/.rufo)
Auf diesem Werbeplakat preist sich die Moskauer Polizei als Freund und Helfer an, aber in der Realität folgen die Beamten nicht immer dem Ideal. (Foto: Ballin/.rufo)
Montag, 30.08.2010

Nebenjob Moskauer Polizisten: Entführung und Bankraub

Moskau. In Moskau ist ein ganzes Polizeirevier als Verbrecherhöhle ausgehoben worden. Die Milizionäre waren bei einem Entführungsversuch geschnappt worden. Zudem sollen sie einen Millionenraub auf dem Arbat verübt haben.

Am Wochenende wurden vier Polizeibeamte, darunter der Stellvertreter des Polizeirevierleiters festgenommen, nachdem sie einen Geschäftsmann vor den Augen seiner Frau in ein Auto gezerrt und entführt hatten. Die Frau rief die Polizei an und „nicht weit vom Tatort entfernt wurde das Auto der Täter gestoppt und die Verdächtigen festgenommen“, teilte Sergej Martschenko, Sprecher der Moskauer Staatsanwaltschaft mit.

Schuldeneintreiben mit Prügelandrohung


Der Entführte ist Leiter einer Baufirma. Die Entführer wollten offensichtlich im Auftrag eines anderen Geschäftsmanns Schulden bei dem Mann eintreiben. Sie sollen den Mann geschlagen haben. Die Ermittler verdächtigen ihre „Kollegen“ nicht das erste Mal, solche Art „Dienstleistungen“ zu verrichten.

Ein Strafverfahren gegen die vier Polizisten wurde bereits eingeleitet. Bei einer Verurteilung droht ihnen wegen Entführung eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren. Möglicherweise kommt sogar noch das eine oder andere Jährchen hinzu, wenn ihnen auch die Beteiligung an einem spektakulären Bankraub in der vergangenen Woche nachgewiesen werden kann.

Spuren führen zu Bankraub auf Bummelmeile Arbat


Am 23. August nämlich hatten maskierte Täter in Uniformen der Polizei-Sondereinheit OMON einen Bankkunden auf der Touristenmeile Arbat überfallen. Der Mann hatte gerade zehn Millionen Rubel (256.000 Euro) abgeholt und wurde von einem Sicherheitsmann der Bank begleitet, als das Überfallkommando zuschlug. Dem Mann wurde der Geldkoffer abgenommen, dem Sicherheitsbeamten der Bank seine Dienstpistole.

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Anschließend flüchteten die Täter in einem schwarzen VW-Kleinbus mit falschen Nummernschildern. Der Tatwagen wurde später verlassen aufgefunden. „Die Ermittler haben Anlass zu der Annahme, dass die Festgenommenen aus einem Polizeirevier im Norden Moskaus auch an diesem Verbrechen beteiligt waren“, sagte nun ein Polizeisprecher.

Der neue Leiter der Moskauer Polizei, Wladimir Kolokolzew (er löste vor einem Jahr seinen Vorgänger Wladimir Pronin ab, der nach einem Amoklauf eines Moskauer Polizisten entlassen worden war), erklärte, dass neben den vier Festgenommenen auch der Leiter der Abteilung für öffentliche Sicherheit bei der Polizeibehörde von Nordmoskau von seinen Aufgaben entbunden worden sei.

Kleine und große Sünden der Moskauer Polizei


Es ist nicht das einzige Mal in diesem Jahr, dass Polizisten bei der Ausübung von illegalen nebenberuflichen Betätigungen auffliegen. Neben den „üblichen“ Delikten wie „sich-bestechen- lassen“ oder „im-betrunkenen-Zustand-Bürger-über-den-Haufen-fahren“, sind in der vergangenen Woche Moskauer Ordnungshüter mit einem weiteren versuchten Bankraub auffällig geworden.

Schon im April wurden wegen erpresster Geständnisse und der Fälschung von Strafakten drei ehemalige Polizisten verurteilt.

Anfang des Jahres hatte zudem die oppositionelle Zeitung „The New Times“ über einen Korruptionsskandal besonderen Ausmaßes berichtet.

Demnach betätigen sich Beamte der Sondereinheit OMON als Schutzgeld-erpresser, Zuhälter und Leibwächter für Mafia-Größen. Ermittlungen wurden daraufhin eingeleitet – aber gegen die Zeitung und deren Informanten.



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