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| Das Projekt von Norman Foster sieht aus wie eine aufgeschnittene Orange (Foto: "Inteko") | |
Freitag, 02.05.2008
Norman Foster plant Orangen-Revolution in Moskau
Moskau. Die Moskauer Künstlergemeinde ist in Aufruhr. Das Zentrale Haus des Künstlers droht einer „Orangenrevolution“ zum Opfer zu fallen. Stararchitekt Norman Foster und Bauunternehmerin Jelena Baturina planen den Umbau.
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Wie eine riesige, in Teile aufgeschnittene Orange soll nach Fosters Projekt in Zukunft das Zentrale Künstlerhaus aussehen. Das „Früchtchen“ am Moskwa-Ufer soll 15 Stockwerke hoch sein. Fünf Abschnitte bilden separate, schräg konstruierte Hausteile; in der Mitte befindet sich ein vieleckiger Raum, wo gleichzeitig Museen, Hotelzimmer, Boutiquen und Büros unterbracht sein sollen.
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Schon in Cannes vorgestellt Das futuristische Projekt wurde bei der Baumesse MIPIM-2008 in Cannes vorgestellt. Der Autor ist der bekannte britische Architekt Norman Foster, der es im Auftrag der Moskauer Baugesellschaft „Inteko” und deren Chefin Jelena Baturina ausgearbeitet hatte. Baturina ist Russlands einzige Dollar-Milliardärin und gleichzeitig Ehefrau von Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow.
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Kurz nach der Messe teilte „Inteko” mit, die „Apfelsine” könne an einer baldigen Ausschreibung für den Umbau des „Zentralen Hauses des Künstlers“ (ZHK) teilnehmen. Das heutige Gebäude sei „moralisch und physisch veraltet”, im neuen würde das Museum dagegen ein geräumigeres und komfortableres Unterkommen finden, hieß es.
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Museum und Hotel unter einem Dach? Viele Künstler und Architekten Moskaus sind jedoch vom Vorhaben Baturinas nicht begeistert. Sie zweifeln an der Transparenz der möglichen Ausschreibung und sorgen sich um den Status des Museums, das in Fosters Gebäude faktisch nur eine schöne Ergänzung für das Elite-Hotel in den oberen Etagen bilden müsste.
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„Für mich ist es unvorstellbar, dass sich ein Museum dieser Größe im Erdgeschoss eines kommerziellen Projekts befinden könnte”, erklärte die stellvertretende Leiterin des Schussew-Architekturmuseums Irina Sedowa gegenüber Russland-Aktuell.
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Die Bedenken von Sedowa sind ernst zu nehmen: Das ZHK gehört zu 60% der Tretjakow-Galerie, also einem Museum von gesamtrussischer Bedeutung. In ihrer Filiale stellt die Galerie alle russischen Meister des 20. Jahrhunderts aus: Malewitsch, Kandinski, Gontscharowa, Chagal, Larionow u.a.
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Der zweite Besitzer des ZHK ist die Internationale Konföderation der Künstlerverbände, die aktiv die zeitgenössische bildende Kunst Russlands und der GUS-Länder fördert und präsentiert.
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Besitzer wissen nichts von den Bauplänen Allerdings wurden die beiden Besitzer des Museums bislang von einer möglichen „Rekonstruktion“ offiziell nicht informiert. „Wir haben davon erst aus den Zeitungen erfahren”, teilte eine Pressesprecherin der Tretjakow-Galerie mit.
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Das Gebäude sei dabei gar nicht baufällig oder zu alt, versichert der Mitbesitzer des Hauses und Präsident der Konföderation der Künstlerverbände, Massut Fatkullin. „Das Zentrale Künstlerhaus ist knapp über 30 Jahre alt. Vielleicht muss es ausgebaut werden, aber keinesfalls abgerissen. Zudem hat weder Frau Baturina, noch das Kulturministerium die Sache mit uns diskutiert,” so Fatkullin.
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Für das Kulturministerium scheint die Frage aber längst entschieden zu sein. In der ihm unterstellten Föderalen Agentur für Kultur und Kinematographie teilte Wladimir Zwetnow, der Leiter der Restaurationsabteilung, mit, die Ausschreibung sei auf Ende Sommer geplant. Außer der Gesellschaft „Inteko” wollen sich nach seinen Angaben noch drei weitere Bauunternehmen daran beteiligen.
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| Eine überdimensionale Schachtel ist das Zentrale Haus des Künstlers in Moskau | |
Hässlicher Zweckbau wirkte einst kühn und modern Zugegeben: So schön wie Fosters Projekt sieht das ZHK in seiner jetzigen Form nicht aus. Grob gesagt ist es eine schlichte graue Schachtel aus Aluminium, Glas und Beton. In den 70ern, als das Haus gebaut war, wirkte es aber kühn und modern. Heute könnte es daher immerhin als Beispiel des russischen Spätmodernismus ein Existenzrecht haben.
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Außerdem entspreche es auch von der Funktionalität her ideal seinen Aufgaben, dessen sei er sich sicher, meint Fatkullin. „Davon zeugt die Tatsache, dass heute bis zu 90% aller Gemälde-Ausstellungen Moskaus gerade hier stattfinden. Und seine Form lässt es zu, jede Ausstellung gut zu gestalten,” erzählt der ZHK-Mitbesitzer. Unter anderem soll hier am 12. Mai die Ausstellung der umstrittenen „Wrubel-Evangelien“ starten.
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Gazelle und Krokodil sind jeder auf eigene Weise schön „Das Projekt „Apfelsine” ist dabei als architektonische Idee bestimmt interessant. Gazelle und Krokodil sind schließlich beide auf ihre eigene Weise schön,” resümiert Fatkullin. Welches von den beiden Häusern das Krokodil wäre, präzisierte er dabei nicht.
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Inzwischen führen Fatkullin und seine Kollegen aus der Tretjakow-Galerie ihr gewohntes Museumsleben fort. Die Ausschreibung für das Projekt, zu dessen Jury sie wenigstens eingeladen zu werden hoffen, findet ja erst im August statt.
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