Djed Moros und Helferin Snegurotschka bei der Zeremonie der Kreml-Tannen-Fällung (Foto: TV)
Freitag, 19.12.2008
Russen wünschen sich vom Weihnachtsmann Kredite
Moskau. Es gibt keine vergleichenden Untersuchungen, ob mehr Russen der Regierung glauben oder dem Weihnachtsmann. Djed Moros bekommt jedenfalls heuer erstaunlich viele Wunschzettel von Erwachsenen. Die Kremltanne wird am Wochenende aufgebaut.
Ausser einer Hauptstadt, in der alles gerichtet wird, gibt es in Russland natürlich auch einen wirklich so genannten "Haupt-Weihnachtsbaum", der natürlich im Kreml steht. Auch der Glaube an den Weihnachtsmann braucht zentrale Symbole.
Seit heute ist das Prachtstück unterwegs aus dem Moskauer Gebiet in den Kreml.
Großbaustelle Kreml-Tanne (Foto: TV)
Keine Plastikpyramide sondern eine echte Tanne für den Kreml
Ein echter, über hundert Jahre alter, 34 Meter hoher Baum mit 60 cm Stammdurchmesser - statt der sonst üblichen Plastikpyramiden mit Neonlichtern in Moskau - wird im Kreml aufgestellt. Damit sich wenigstens ein Teil des Vertrauens, dass Djed Moros geniesst, zusätzlich auf den Präsidenten überträgt, der es jetzt zu Krisenzeiten wahrlich nicht leicht hat.
Die Tradition, Weihnachtsbäume im Kreml aufzustellen, war von Jelzin seit 1996 wiederbelebt worden. 2001 wurde die neue Tradition wieder unterbrochen, weil die Winter zu kalt waren. Die Tannenzweige wären im Frost zerbrochen. Wladimir Putin liess dann 2005 das erste Tännchen wieder aufstellen.
Das zentrale Weihnachtssymbol im Kreml kann besichtigt werden
Heute sind die Kreml-Weihnachtsbäume für alle zugänglich, weitgehend demokratisiert, kommerzialisiert und in den Touristenrummel im Kreml integriert. Sie können während der normalen Öffnungszeiten des Kremls besichtigt werden, zum Beispiel zusammen mit dem theatralisierten Wachwechsel eines Dragoner-Regimentes in historischen Uniformen.
Eine Teilnahme an einer der zahlreichen Kinderbescherungen unter der Kreml-Jolka ist möglich, aber anmelde- und gebührenpflichtig.
Wunschzettel auch von erwachsenen Russen häufen sich
Zur feierlichen Zeremonie der Kreml-Tannen-Fällung traten heute auch Snegurotschka und Djed Moros auf, obwohl sich in deren Residenz in Moskau-Kusminki die Wunschzettel auch von erwachsenen Russen in diesem Jahr besonders hoch türmen.
(Derweil versprach Regierungschef Wladimir Putin den erregten Massen im Fernen Osten, die für ihre Importautos auf die Barrikaden steigen wollen, die Preise für PKWs russischer Produktion, die die erregten Massen allerdings gar nicht haben wollen, deutlich zu senken.)
Mitte der Woche lagen in den Postsäcken von Djed Moros im Weihnachtsmann-Palast von Moskau-Kusminki schon 3.000 Briefe, berichtet ITAR-TASS, davon erstaunlich viele von Erwachsenen. Während Kinder wie üblich meist von Spielzeug träumen, wünschen die meisten Erwachsenen sich ganz ernsthaft gleich neue Autos, Kredite, Gehaltserhöhungen oder Karrieresprünge.
Zwar ist der Glaube an den Weihnachtsmann schon seit Menschengedenken sicher die absolute Minderheitsposition unter erwachsenen Russen, aber die Flut der Wunschbriefe werde in den nächsten Tagen doch anschwellen, sagten Postmitarbeiter. In 2007 seien über 15.000 Briefe an der Adresse: "Weihnachtsmann, Wald von Kusminki, 109472 Moskau" eingetroffen.
Eine Statistik, wieviele Weihnachtswünsche in Erfüllung gingen, gibt es nicht. Die Post bemüht sich jedenfalls darum, jeden Brief zu beantworten, damit die Russen den Glauben in den Weihnachtsmann nicht verlieren.
Im Einsatz für den Seelenfrieden sind Postmitarbeiter, die vom 1.Dezember bis zum 30.Januar am Fließband und im Akkordlohn die Briefe beantworten.
Pro beantwortetem Brief werden den Ghostwritern von Djed Moros 30.- Rubel ausgezahlt. Damit können die sich dann wenigstens ein paar ganz bescheidene Wünsche erfüllen.
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