 |
|
| Szene aus Tanzstück von Sasha Waltz | |
Mittwoch, 24.03.2004
Sasha Waltz: “Körper”-Kult
Moskau. Dienstagabend präsentierten die Tänzer von Sasha Waltz dem Moskauer Publikum die Performance „Körper“ im Rahmen der „Berliner Tage in Moskau“. Das experimentelle Tanztheater der Berliner Choreographin ist unbestritten Kult. Im Grunde handelt es sich um Bewegungstheater. Der klassische Tanz lässt sich meist nur noch erahnen.
|
|
So banal der Ausdruck Bewegungstheater auch klingen mag, spricht er doch für Produktionen auf höchstem Niveau. Vor allem höchstem intellektuellen Niveau. Sasha Waltz’ Choreographien strotzen vor Ideen und Gedanken, die nicht nur das Individuum an sich, sondern vor allem auch das Individuum in der Gesellschaft betrachten.
So auch, wenn der menschliche „Körper“ Programm ist. Der Körper als physische Hülle des Daseins, als materieller Ausdruck der menschlichen Existenz wird auf der Bühne von allen Seiten ausgeleuchtet. Der Körper wird gefüttert, gewässert und entleert. Er wird auf die Probe gestellt, muss andere Körper kennen lernen, sich gegen diese behaupten. Der natürlichen Existenz des menschlichen Leibes stellt Sasha Waltz seine Manipulierbarkeit gegenüber. Plastische Chirugie wird ebenso thematisiert, wie Organhandel.
Sasha Waltz gelingt es immer wieder grandios das Publikum anzustoßen. Der Zuschauer beginnt automatisch Assoziationen und Erklärungen zu suchen, für das, was auf der Bühne gespielt wird. Dies mag manchmal etwas brutal und hart erscheinen – wie die permanente Nacktheit der Tänzer. Gerade diese Nacktheit führt sicherlich dazu, dass russische Pressestimmen von einem „Skandal“ und „Schock“ sprechen, der im Theater der russischen Armee zur Aufführung kam.
|
|
| Theater der russischen Armee |
Suworowskaja Ploschad, 2
Metro: Nowoslobodskaja
Tel. 681 21 10 oder 681 51 20
|
|
Das Publikum des gestrigen Abends allerdings empfand dies gar nicht so. Zwar wurde Sasha Waltz’ „Körper“ nicht frenetisch gefeiert, doch konnte auch kein Affront wahrgenommen werden. Wie sich die geladenen Ehrengäste, der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, der deutsche Botschafter Hans-Friedrich von Ploetz, und Michail Schwedkoi, als Vertreter der Moskauer Stadtregierung angesichts der nackten Tatsachen fühlten, konnte allerdings nicht ermittelt werden.
Die Waltz’sche Tanzästhetik kann am 24. März um 19:00 Uhr noch einmal im Theater der russischen Armee in Augenschein genommen werden.
(cu/.rufo)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>