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Schlecht bezahlt und ohne Rechte: OMON-Einheit in Moskau. (Foto: newsru.com)
Schlecht bezahlt und ohne Rechte: OMON-Einheit in Moskau. (Foto: newsru.com)
Montag, 01.02.2010

Skandal: Moskauer Sonderpolizei muss illegal arbeiten

Moskau. Mitglieder eines Bataillons der Sondermiliztruppe OMON beschweren sich beim Präsidenten: Sie werden eingesetzt, um Luxusvillen zu bewachen und Prostituierte abzukassieren – den „Lohn“ stecken die Vorgesetzten ein.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew und die Generalstaatsanwaltschaft bekommen Post vom Zweiten Bataillon der Moskauer OMON-Sondereinsatztruppe. In den Briefen beschweren sich die Männer über „unerträgliche Arbeitsbedingungen“ und Regelwidrigkeiten. „Die Vorgesetzten machen mit uns Geld“, heißt es unter anderem.

Sie arbeiten „wie die Sklaven“, schreiben die OMON-Kämpfer, zehn bis 15 Tage ohne freien Tag und bis zu 20 Stunden am Tag ohne Pause. Es würden immer mehr Nicht-Moskauer eingestellt, weil die „keine Fragen stellen“, im Klartext: sich alles gefallen lassen.

„Wo die Ratten einmal sind, kriegst du sie nicht wieder weg“


Wie „The New Times“ heute schreibt, gibt es im 2. OMON-Bataillon der russischen Hauptstadt die ungeschriebene Regel, beim Auflösen von unerlaubten Kundgebungen „mindestens drei Leute“ zu verhaften. Wer die „Norm“ nicht erfüllt, kriegt keine Prämie (immerhin etwa 10.000 Rubel bei einem Grundgehalt von 16.000 Rubeln).

Dieser Befehl soll von Kommandeur Sergej Jewtikow persönlich stammen. Weiterhin soll er seine Untergebenen aufgefordert haben, den bekannten Oppositionellen Eduard Limonow „sofort zu verhaften, wo immer er gesichtet wird“.

Wjatscheslaw Chaustow, Oberkommandierender der Moskauer Sondermiliztruppe, kommentiert die Anschuldigungen auf originelle Weise: „Wo die Ratten einmal sind, kriegst du sie nicht wieder weg“. Eine offizielle Stellungnahme vonseiten der OMON-Leitung bleibt bisher aus.

Ominöse Schwarzarbeit


Milizwillkür gegen Demonstranten ist in der russischen Realität leider keine Seltenheit, und allein dieser Verstoß würde noch keinen Skandal auslösen. Schwerer wiegen da die restlichen Anschuldigungen:

Die OMON-Kämpfer werden anscheinend dazu gezwungen, an den Moskauer Bahnhöfen Prostituierte abzukassieren und die Villen von superreichen Mafiabossen zu bewachen. „An der Rubljowskoje schosse bewacht unser Bataillon acht Villen, in Fili eine Fabrik; am Arbat das Büro einer ehemaligen kriminellen Autorität“, zitiert die Zeitung einen OMON-Angehörigen.

Bei Russland-Aktuell
• Miliz und OMON: Feuer frei auf Protest-Demonstrationen (27.02.2009)
• Unruhen in Russland? Polizei-Reform wird verschoben (17.12.2008)
• Ein Drittel der russischen Polizisten gemeingefährlich (18.01.2010)
„Der Mafioso ist jetzt Geschäftsmann und ihm gefällt es, dass die Miliz ihn in den 90er Jahren verfolgt hat und ihn jetzt bewacht. Zwei OMON-Jeeps fahren ihm überall hinterher. Er hat mit unserem Kommandeur einen Direktdeal gemacht – ein Mann kostet 12.000 Rubel am Tag, davon kriegt der Milizionär 1.500.“
Am Platz vor den drei Bahnhöfen in Moskau wird die OMON-Einheit als Zuhälterersatz eingesetzt – sie nimmt den Prostituierten das Schutzgeld ab. Und zuweilen „dürfen“ die Mädchen dann auf der Milizbasis für die Unterhaltung der Offiziere sorgen.

Untersuchung der Innenbehörde


Die Innenbehörde will die Anschuldigungen untersuchen und verspricht „harte Maßnahmen“, sollten sie sich als wahrheitsgetreu herausstellen. Dies erklärte am Montag der stellvertretende russische Innenminister Michail Suchodolski.

Er wies aber zugleich darauf hin, es gäbe viele, die „diese Sondereinheit anschwärzen wollen“. Dann würde „die Ehre und Würde“ der Truppe gebührend verteidigt werden, so Suchodolski. Es gibt noch eine dritte, schon öfters praktizierte Variante: Die Sache wird totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt…



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