Die Geisel der Moskauer: Stau und Parkplatzmangel steigern sich wechselseitig. (Foto: Djatschkow/.rufo)
Dienstag, 14.07.2009
Stadtregierung plant Tiefgaragen unter dem Moskau-Fluss
Moskau. Genial oder genial daneben? Trotz der Finanzkrise spuken den Beamten der Moskauer Stadtverwaltung noch phantastische Pläne durch den Kopf. So sollen Tiefgaragen unter dem Moskwa-Fluss das Parkproblem lösen.
Unbestritten, Moskau hat einen Parkplatz-Notstand. 1,6 Millionen Stellplätze gibt es in Moskau. Die Anzahl der in der russischen Hauptstadt angemeldeten Fahrzeuge ist mehr als doppelt so hoch.
Überfüllte Straßen, Stau und Parkplatzsuche Die Folge: Die Moskauer stellen ihre Autos dort ab, wo sie einen Platz am Straßenrand finden; mitunter auch dort, wo am Straßenrand keine Lücke mehr frei ist. Dann wird einfach in der zweiten Reihe geparkt, besonders, wenn man stolzer Besitzer eines etwas grösseren Wagens ist.
So wird die Straße zu einem Flaschenhals verengt, durch den der Strom der Autos sich hindurchpressen muss. Das ohnehin tägliche Stauproblem verschärft sich auf diese Art und Weise.
Bauprogramm für Parkhäuser
Als Lösung schlägt die Moskauer Stadtregierung ein umfangreiches Bauprogramm für Garagen vor. „Volksgarage“ nennt das Bürgermeisteramt das Programm zum Bau von drei- bis vieretagigen Parkhäusern. Ein Stellplatz kostet das „Volk“ rund 350.000 Rubel (knapp 8.000 Euro).
Doch da der Platz in Moskau begrenzt ist, hat Bürgermeister Juri Luschkow schon wieder eine neue Idee. Unter der Moskwa und den einzelnen Kanälen des Flusses sollen automatische Parkhäuser errichtet werden.
Eine Arbeitsgruppe zur Verwirklichung dieses Plans wurde bereits gegründet, der Direktor der Abteilung für Brücken- und Tunnelbau in der Moskauer Stadtverwaltung, Alexander Lewtschenko, soll die Gruppe leiten.
Lösen Tiefgaragen unter der Moskwa Moskaus Infrastrukturprobleme?
Wieviel das Programm kosten soll, ist noch nicht bekannt. Der Bau solcher automatischer Tiefgaragen unter der Moskwa sei aber notwendig, um die Verkehrsinfrastruktur Moskaus weiter entwickeln zu können, heißt es aus der Administration.
Niko Rickert vom Architektenbüro +aap findet die Idee „interessant, wenn es gut ins vorhandene Verkehrssystem eingebunden wird.“ Wichtig dabei sei jedoch, dass die Parkhäuser dezentralisiert würden, um die Verkehrsströme zu entzerren. „Gleichzeitig muss es auch eine Anbindung geben, z.B. über eine nahe gelegene Metrostation, denn die Autofahrer werden ja wohl kaum auf dem Wasser weiterfahren“, sagte er Russland-Aktuell.
Teure Pläne
Hinzu kommt der Kostenfaktor. Auch wenn noch keine Berechnungen vorliegen: Die grossräumige Untertunnelung des Flussbetts ist sicher mit höherem finanziellem Aufwand verbunden als der Bau einer Tiefgarage im Trockenen und die anschließende Begrünung des Platzes darüber.
Es gibt also einige Fragezeichen hinter dem Projekt. Stadtplanerische Maßnahmen, um den Verkehr im Zentrum insgesamt zu reduzieren, seien deshalb auch weitaus wichtiger als solche hoch- oder tieffliegenden Pläne, meint Rickert.
In der Diskussion sind auch Pläne, eine zweite Verkehrsebene für den Autoverkehr einzurichten: entweder aufgestelzte Verkehrstrassen über den Eisenbahnlinien oder sogar eine zweite Ebene über den grossen Einfallstrassen ins Zentrum sind schon im Projektstadium.
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