Staus in Moskau, so wie hier in einem Tunnel auf dem Dritten Ring, sind alltäglich (Foto: Ballin/.rufo)
Mittwoch, 01.09.2010
Staugeplagtes Moskau kann kein Finanzzentrum werden
Moskau. Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow schlägt eine radikale – und teure – Lösung für die Stauprobleme der Stadt vor. Er will ein umfangreiches Straßen- und Eisenbahnbauprogramm auflegen. Das kostet 100 Mrd. Euro.
Solange Moskau seine Verkehrsprobleme nicht in den Griff bekomme, könne es nicht den Anspruch erheben, ein internationales Finanzzentrum zu werden, meint Juri Luschkow. Den Aufbau eines internationalen Finanzzentrums in Moskau fordert Präsident Dmitri Medwedew.
Unlängst hat er den einstigen Chef der Kremlverwaltung Alexander Woloschin mit der Leitung des Projekts beauftragt. Doch weitere administrative, repräsentative und finanzielle Funktionen kann Moskau kaum noch übernehmen. Schon jetzt erstickt die russische Hauptstadt an ihren Stauproblemen.
Es gibt rund vier Millionen Fahrzeuge in der Stadt, aber nur wenig mehr als 1.300 Kilometer Straße. Das ist deutlich weniger als nötig. Das Verkehrsnetz nehme nur 8,7 Prozent der Stadtfläche ein, selbst in den engen Metropolen Asiens sind es zehn bis zwölf Prozent, vergleicht Michail Blinkin, wissenschaftlicher Direktor eines Verkehrsinstituts.
Stundenlange Staus kosten Zeit und Geld
Die sich daraus ergebenden Probleme sind den Moskauer Autofahrern hinlänglich bekannt. Täglich stehen sie mehrere Stunden im Stau. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 22 km/h. Das ist halb so viel wie in New York. Die langsame Fahrt kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern damit auch reales Geld.
Expertenschätzungen nach liegen die aus den Stauproblemen sich ergebenden Verluste im Milliardenbereich. Nicht gerade eine ideale Voraussetzung, um ein internationales Finanzzentrum zu eröffnen.
Teure Lösung von Luschkow angeregt
Freilich ist auch Luschkows Lösung teuer. Der Stadtchef, verheiratet mit der einzigen Baumilliardärin Russlands Jelena Baturina, schlägt vor, rund 400 Kilometer Straße, 365 Kilometer Eisenbahn und 120 Kilometer U-Bahnlinien in Moskau zu bauen. Zudem will er die Autobahnringe um Moskau weiter ausbauen. Die Kosten beziffert er auf vier Billionen Rubel (100 Milliarden Euro).
Die Regierung lehnt den Plan ab, da das Geld für Luschkows gigantische Baupläne aus dem föderalen Etat kommen soll. Milliarden werde es dafür nicht geben, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums kategorisch. Andere Projekte benötigten das Geld dringender, zudem habe Moskau das Geld, den Ausbau der Infrastruktur selbst zu finanzieren.
Bleibt wohl nur die Realisierung des immerhin 16,4 Milliarden Euro teuren „Minimal-programms“. Dies aber wird die Verkehrsprobleme nicht lösen, sind Experten überzeugt. Auch weil Bauen in Moskau „dank“ Luschkows Politik extrem teuer ist.
Denn wer nicht zahlt, der bekommt kein Grün, sondern steht im Stau.
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Da kommt mal wieder Freude auf: wer immer noch versucht, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, sollte die Thermoskanne und einen Stullenvorrat mitnehmen. ( Topfoto: zr/.rufo)