Montag, 12.09.2011

Streit nach Abriss alter Moskauer Zentralmoschee

Die alte Moschee in Moskau existiert seit Sonntag nicht mehr. (Foto: moscow-live.ru)
Moskau. Am Wochenende ist die zentrale Moskauer Moschee abgerissen worden. An ihrer Stelle soll eine neue und größere entstehen. Doch die Sprengung der Moschee sprengt auch den Frieden innerhalb der islamischen Gemeinde.
Der Umbau der Moschee wird bereits seit Jahren diskutiert. Das 1904 noch zur Zarenzeit von einem reichen tatarischen Kaufmann errichtete islamische Gotteshaus bekam vor drei Jahren Denkmalstatus. Doch schon zu Beginn des Jahres 2009 nahm die Denkmalkommission ihr Urteil zurück – eine laut russischen Medien zumindest „widersprüchliche“ Entscheidung.

Kapazität der Moschee reicht für Gläubige nicht aus


Die Kapazität der Hauptmoschee in Moskau reicht freilich schon lange nicht mehr aus. An hohen islamischen Feiertagen sperrt die Polizei die Zufahrtsstraßen. Tausende Moslems beten direkt auf der Straße vor der Moschee, da sie innen keinen Platz mehr finden.

Der oberste Mufti-Rat Russlands konnte daher einen Ausbau der Moschee durchsetzen. Am Wochenende gipfelte dieser „Umbau“ dann im Abriss der alten Gemäuer, sehr zum Leidwesen vieler Gläubiger:

„Genau zehn Jahre nach dem Terroranschlag in den USA hat Moskau seine eigene Tragödie“, urteilte der Mufti von Moskau und Zentralrussland Albir Krganow. Die Moschee sei bis zu den Grundmauern abgerissen worden, bedauerte er.

Mufti-Rat: „Erneuerung der Moschee – ein Gebot der Zeit“

Der Mufti-Rat hingegen verteidigt den Schritt: „Die Erneuerung des Gotteshauses ist ein natürlicher Prozess, ein Gebot der Zeit“, erklärt Farid Asadulin, der Leiter des Komitees für Wissenschaft und Zivilgesellschaft beim Mufti-Rat.

Die meisten Gegner stuft Asadulin als „Provokateure“ oder religionsfern ab. Ihr Protest gegen die Erneuerung der Moschee behindere die Heranführung der Menschen an die Werte des Islam, so Asadulin.

Abriss nicht genehmigt


Doch der Abriss könnte juristische Folgen haben. Laut der Moskauer Denkmalschutzorganisation Archnadsor war er nämlich illegal: Die Zentralmoschee stand bis Ende letzter Woche nicht auf der Abriss-Liste der Verwaltungs- und Technik-Inspektion der Moskauer Stadtregierung (OATI). Die OATI muss alle Gebäude zum Abriss freigeben.

Zudem hatte der Leiter des Mufti-Rats Rawil Gainutdin noch wenige Tage vor dem Abriss erklärt, dass eine Zerstörung der alten Moschee bei den Bauarbeiten ausgeschlossen sei.