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| Festlicher Abriss: Die letzte Chruschtschowka in der Moskauer Innenstadt wird abgebrochen (Foto: www.newsru.com/NTW) | |
Mittwoch, 15.03.2006
Traum oder Albtraum: Kampf den Chruschtschow-Slums
Moskau. Mit lautstarkem Geknatter von Presslufthämmern geht in Moskau ein Stück Stadtgeschichte zuende: Im Beisein von viel Prominenz wurde der letzte fünfstöckige Plattenbau im Innenstadtbezirk abgerissen.
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Bis zum Jahr 2009 soll es im gesamten Moskauer Stadtgebiet keinen einzigen Plattenbau der ersten Generation mehr geben. Ein Leben in den einfachen Mietskasernen aus der Regierungszeit des KP-Generalsekretärs Nikita Chruschtschow - im Volksmund „Chruschtschowka“ bzw. etwas grob „Chruschtschoba (Chruschtschow-Slum)“ genannt – war für die Bewohner zuletzt meist nur noch eine Qual.
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Keine Fahrstühle, keine Müllschlucker
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„Dieser Wohnraum entspricht keinen zivilisierten Standards“, erklärte Oberbürgermeister Juri Luschkow bei der Abrisszeremonie. „Es wäre ein Albtraum, wenn die Häuser mit ihren niedrigen Decken, ohne Fahrstühle und Müllschlucker weiter in der Stadt erhalten bleiben würden.“
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Bei der Fertigstellung der Häuser boten die Wohnungen für ihre ersten Bewohner noch einen geradezu paradiesischen Komfort. Denn in den tristen Nachkriegsjahren war eine eigene Wohnung für viele junge Familien ein bestenfalls unerfüllbarer Wunschtraum, den sie im Mief überfüllter Gemeinschaftsunterkünfte träumten.
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Heute können Chruschtschowka-Bewohner ein ganz anderes Lied von den Unannehmlichkeiten ihrer maroden Behausungen singen. Die Stromleitungen waren nie für die heutige Masse angeschlossener Elektrogeräte konzipiert. Ständig gibt es Probleme mit der überalterten Wasserversorgung. Die Wände zwischen den Wohnungen sind so dünn, dass kein Vorgange in Küche, Wohn- oder Schlafzimmer vor den Nachbarn verborgen bleibt.
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Umsiedlung an den Stadtrand
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Allerdings hat die Abrisskampagne der Moskauer Behörden auch für erheblichen Unmut unter den Chruschtschowka-Bewohnern gesorgt. Längst nicht alle bekamen eine neue Wohnung im alten Stadtviertel zugewiesen. Vor allem Rentner litten oft schwer unter der Umsiedlung in seelenlose Neubauviertel am Stadtrand. Und bei aller Baufälligkeit war das Leben in den fünfstöckigen Alt-Plattenbauten zumindest nicht ganz so anonym und seelenlos wie in den später erbauten Wohnhochhäusern.
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Dass der Totalabriss aller Chruschtschowkas nicht aufzuhalten ist, liegt aber auch aus einem anderen Grund auf der Hand: Grundstücke und Preise für Eigentumswohnungen in Moskau sind inzwischen so astronomisch hoch, dass der Erhalt dieser architektonischen Sowjetrelikte aus wirtschaftlichen Gründen geradezu sträflich ist. Oberhalb der fünf Stockwerke liegt viel zu viel verschenkte Luft.
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(kp/.rufo)
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