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Luschkow will Demos an Kulturdenkmälern verbieten. (Foto: Akrischina/.rufo)
Luschkow will Demos an Kulturdenkmälern verbieten. (Foto: Akrischina/.rufo)
Freitag, 07.09.2007

Umfrage: Stören Demos wirklich Kulturdenkmäler?

Moskau. Die neue Verordnung der Moskauer Regierung schränkt den Raum für Demonstranten wesentlich ein. Ob Politik oder Sorge für Moskaus historische Stadtteile dahinter steckt, hat Russland-Aktuell nachgefragt.

Alexander, Unternehmensleiter

Ich sehe in dieser Verordnung keinen politischen Hintergrund. Denn ihr Ziel ist es, denke ich, nicht nur historische Denkmäler zu hüten, sondern vor allem die Gesellschaftsordnung in der Stadt aufrechtzuerhalten.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr Versammlungen radikaler Organisationen, die eigentlich mehr Aufsehen in den Massenmedien erregen, als die gesunde Meinung einer konkreten Bevölkerungsgruppe widerzuspiegeln. Zudem ist Moskau eine Riesenstadt, und mit seinen räumlichen Problemen muss man sich abfinden. In den engen Straβen der Altstadt wäre es schwierig, die Sicherheit von groβen Menschenmassen zu sichern. Als Vater hätte ich einfach Angst, mein Kind an solchen Tagen in die Stadt gehen zu lassen, da es ein gefährliches Gedränge oder eine Schlägerei mit der Miliz oder gar einen Terroranschlag geben könnte.

Und die Demonstrationen selbst werden doch nicht verboten. Es gibt ja nur bestimmte Regeln, an die sich die NGO-Vertreter halten müssen. Das erschwert ihnen zwar ihre Tätigkeit, macht aber das Leben in Moskau sicherer.

Tatjana, Ingeneurin in einem Forschungsinstitut

Tatjana ist für die Gleichberchtigung aller Demonstranten, Homosexuelle ausgenommen (Foto: Kurizina/.rufo)
Tatjana ist für die Gleichberchtigung aller Demonstranten, Homosexuelle ausgenommen (Foto: Kurizina/.rufo)
Ich persönlich brauche keine Demonstrationen und Massenversammlungen, aber ich meine, die neue Verordnung bedeutet eine absolute Einschränkung der Rechte derjenigen, die dabei mitmachen wollen. Das einzige, was ich in Moskau für unzulässig halte, wären verschiedene Kundgebungen der Homosexuellen. Sonst aber müssen alle Demonstranten damit rechnen können, dass ihre Forderungen von den Behörden und der Öffentlichkeit vernommen werden. Niemand würde an der Moskauer Ringautobahn demonstrieren, weil es einfach keinen Effekt hätte. Luschkow will aber alle Kritiker tatsächlich aus der Stadt verdrängen.

Ich weiβ nicht, in welchen Zusammenhang das mit anderen Ereignissen steht. Luschkow beschäftigt sich aber bereits seit Frühling mit dem Gesetz. Und es sieht nicht so aus, als wollte er das Puschkin-Denkmal bewahren.

Wladimir, Rentner

Ich verstehe nicht, was unsere Aktivisten von solch einer Megapolis wie Moskau noch wollen! Mit drei Millionen Autos ist es schon keine Stadt mehr, sondern ein Monstrum. Wenn das Stadtzentrum noch wegen diverser Versammlungen gesperrt wird, wird die ganze Stadt gelähmt. Ich will Luschkow nicht rechtfertigen, doch ein ungehindertes Funktionieren der Stadt halte ich für wichtiger, als den Wunsch der Demonstranten, ihre Meinung vor der gesamten Öffentlichkeit zu äuβern.

Die Demonstranten sollten der Regierung und den Bürgern erst einmal beweisen, dass ihre Aktionen überhaupt nötig sind. So sollten sie lieber zuerst den Müll aus einem Wald bei Moskau fegen und erst danach eine Kundgebung zum bewussten ökologischen Verhalten im Stadtzentrum durchführen.

Michail, Top-Manager

Kaum zu glauben, aber wahr: Michail hat früher selbst mal demonstriert (Foto: Kurizina/.rufo)
Kaum zu glauben, aber wahr: Michail hat früher selbst mal demonstriert (Foto: Kurizina/.rufo)
Ich finde die von der Moskauer Regierung angegebenen Gründe für die eingeführten Einschränkungen künstlich. Die ganze Stadt kann theoretisch als ein Kulturdenkmal angesehen werden. Und für den Verkehr spielt die Verordnung ebenfalls keine Rolle. Es ist egal, ob man irgendwo am Stadtrand demonstriert, oder mit seinen Plakaten mitten auf der Straβe steht, die Autos fahren tagsüber sowieso nicht mehr durch.

Aber Puschkin- oder Majakowski-Platz sind traditionelle Versammlungsorte. Ich selbst habe sogar einmal an einer Demo auf dem Puschkin-Platz teilgenommen. Das war 2001, als NTW von Gasprom-Leuten besetzt wurde.

Maxim, Anwalt

Ich habe nur beiläufig von dieser Verordnung gehört. Ich bin überhaupt kein Anhänger aller Massenaktionen. Dieser Beschluss Luschkows lässt mich also eher gleichgültig, man müsste seine Gedanken lesen können, um zu beurteilen, was er mit diesem Gesetz tatsächlich erreichen wollte.

Sergej, Elektromonteur

Ich habe nichts davon gehört. Für derartige Veranstaltungen interessiere ich mich prinzipiell nicht. Man muss vor Gericht gehen, statt zu demonstrieren. Alle Demos sind in diesem Land nur ein zynisches Spiel für Populisten.

(ak/.rufo/Moskau)


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Abendstimmung im neuen Petersburger Meeres-Passagierhafen. Die Saison hat gerade erst angefangen, die Piers sind noch fast alle leer. In wenigen Wochen wird sich das Bild ändern, denn mit Beginn der Weißen Nächste setzt der Kreuzfahrtschiff-Run auf die russische nördliche Hauptstadt ein. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)



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