Silvester auf dem Roten Platz (Foto: www.newsru.com)
Dienstag, 11.01.2005
Umfrage: Wie Moskau in das neue Jahr feierte
Moskau. Die langgezogenen Neujahrs- und Weihnachtsferien sind vorbei. Lediglich am 13. gibt es mit dem „Alten Neujahr“ (nach julianischem Kalender) noch eine Gelegenheit zum Feiern, jedoch keinen rot angestrichenen Tag im Kalender mehr. Alina Danel fragte am ersten Arbeitstag einige Moskauer, wie sie die erst wenige Tage vor Silvester eingeführten langen Neujahrsferien verbracht haben.
Irina (23), Studentin
Ich habe das Neujahr mit den Freunden gefeiert. Um 12.00 nachts waren wir am Roten Platz. Na ja, fast am Roten Platz. Wir sind dorthin um 23.30 gekommen, es gab aber so viele Leute, dass es uns nicht gelungen ist, die Kreml-Uhr zu sehen. Auf jedem Fall hatten wir Spaß. Das Wetter war gut, gar nicht kalt. Wir haben ein paar Flaschen Sekt getrunken und dann sind wir nach Hause zu meinen Freunden gefahren, weil wir einen riesigen Hunger hatten. In diesem Jahr habe ich nicht ferngesehen, obwohl es eine ganze Menge der guten Filme gab. Um 4.00 oder 5.00 Uhr morgens sind wir wieder spazierengegangen, um Feuerwerk zu machen.
Die Jungs haben die Feuerwerksschachtel nicht fest aufgestellt, sie ist umgefallen und das Feuerwerk hat angefangen, sich zu drehen und in alle Richtungen zu feuern. Es war natürlich gefärlich, aber total lustig. Wir haben genug Adrenalin für das ganze Jahr bekommen! Am 7. Januar musste ich aber schon wieder arbeiten, hoffentlich werde ich Spass am 13. Januar haben. Wir haben vor, aufs Land zu fahren.
Tamara Michailowna (57), Kindergärtnerin
In unserer Familie gibt es ein kleines Kind. Das Mädchen heißt Mascha, sie ist 2 Jahre alt und es war das erste Neujahr in ihrem Leben, das sie gefeiert hat. Deshalb haben wir alles Mögliches gemacht, um es schön zu machen: Tannenbaum, Lichterkette, Kerzen und Neujahrslieder. Sie war ganz zufrieden und um 1 Uhr sind wir schon ins Bett gegangen. Ich bin gläubig. Für mich spielt Weihnachten eine größere Rolle, Geschenke aber kriegt man zum Jahreswechsel.
Neujahrsstimmung habe ich überhaupt keine! Vielleicht ist es mit dem Wetter verbunden. Wenn es draußen regnet und taut, habe ich keine Lust was zu feiern. Wie gesagt, habe ich alles nur für das Kind gemacht und organisiert. Mascha war zufrieden und das ist die Hauptsache.
Sinaida Iwanowna (63), Verkäuferin
Neujahr ist ein lustiges Fest. Ich feiere es immer mit den Freunden. Jedes Jahr fahren wir zusammen auf die Datscha. Es ist schon wie eine Tradition. In diesem Jahr hatten wir aber leider keine Möglichkeit, unser Auto war kaputt. Am 31. Dezember habe ich außerdem bis 21.00 Uhr gearbeitet und am 1. Januar schon wieder ab 14.00 Uhr. Weihnachten habe ich mit meiner Familie zu Hause gefeiert. Im Winter habe ich immer schöne Stimmung! Ich suche nach Geschenken, schmücke die Wohnung, gehe in den Park spazieren. Die Leute sind netter in der Weihnachtszeit. Man gratuliert einander zum Neujahr und lächelt. Zu Hause habe ich einen Tannenbaum, ohne ihn geht es einfach nicht.
Das größte Fest steht aber noch bevor. In meiner Familie feiern wir lieber das Alte Neujahr. Warum? Ich kann das nicht erklären, es ist einfach eine Tradition. Wir wollen die feierliche Zeit verlängern. Geschenke kriegt man bei uns auch zweimal. Es gibt viele alten Bräuche, die mit dieser Zeit verbunden sind. Als ich ein Kind war, wohnte ich in einem kleinen Dorf und wusste, dass es sehr wichtig ist, wer am 14. Januar zu dir nach Hause kommt: ein Mann oder eine Frau. Der Mann bringt Glück und Erfolg im neuen Jahr, die Frau – umgekehrt, Pech und Unglück. Wenn Sie beimir am 14. Januar vor der Tür stehen würden, würde ich Sie nicht reinlassen. Entschuldigung!
Olga (44), Malerin
Ich habe Neujahr und Weihnachten wie gewöhnlich in Moskau im engen Familienkreis gefeiert. Meiner Meinung nach, hängt die festliche Stimmung nur vom Seelenzustand ab. Wenn man Ruhe hat und zu Hause ist alles gut, kann man feiern. Der Schmuck ist nicht so wichtig. Ich kaufe zum Beispiel schon seit 4 Jahren keinen Tannenbaum. Erstens ist es teuer, zweitens – umweltschädlich, drittens – schmutzig, ich meine die Nadeln, die man bis Ende März überall in der Wohnung hat.
Als mein Kind klein war, haben wir die Wohnung festlich geschmückt. Jetzt hänge ich nur ein paar Girlanden auf, weil alle so was machen. Vielleicht bin ich schon alt... Ich denke, dass Neujahr, Geschenke unter dem Tannenbaum und Väterchen Frost nur für Kinder da sind. Erwachsene haben andere Probleme und glauben nicht mehr an Märchen. Andererseits gefällt es mir sehr gut, dass die Moskauer Regierung die Straßen mit den Lichterketten geschmückt hat. Sieht wunderbar aus. Der Winter ist die dunkleste Jahreszeit und das Licht fehlt uns.
Wera Nikolajewna (79), Rentnerin
Neujahr habe ich zu Hause mit meiner Familie gefeiert. Zu mir sind meine Tochter, meine Enkelin mit ihrem Mann und meine Urenkelin gekommen. Leider ist mein Mann nicht mehr da. Wir waren ein Herz und eine Seele, er ist vor 6 Jahren gestorben. Seit dieser Zeit fühle ich mich ein bisschen einsam. Die jüngere Generation hat andere Interessen und ich bleibe oft allein.
Früher war alles ganz anders. Es ist für mich wirklich schwierig zu sagen, welcher Neujahrfesttag am besten war. Bei uns gab es immer viele Leute. Unsere Wohnung ist relativ klein und es war ein bisschen eng, aber ein gutes Sprichwortlautet: „Eng, aber gemütlich“. Wir haben gegessen, getrunken, getanzt und sind durch Twerskaja-Straße bis zum Kreml spazierengegangen. Neujahrsstimmung habe ich ein das ganze Jahr lang. Das Wetter spielt hier überhaupt keine Rolle: Schnee, Regen, Sonne. Na ja, ich mag nicht, wenn es zu windig ist, aber im Großen und Ganzen ist es egal.
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