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Alltäglich wälzt sich eine Blechlawine von über 3,5 Millionen Autos durch Moskau (Foto: Archiv/.rufo)
Alltäglich wälzt sich eine Blechlawine von über 3,5 Millionen Autos durch Moskau (Foto: Archiv/.rufo)
Dienstag, 06.10.2009

Verkehrskonzept: Moskaus Autofahrer unter die Erde

Moskau. Stehen im Stau ist für Moskauer Autofahrer ein so alltägliches Ritual wie Zähneputzen. Die Stadtplaner haben radikale Pläne, um dieses Übel zu bekämpfen: Die Moskauer Autofahrer müssen unter die Erde.

Manch einer der stets genervten Autofahrer würde sicher seine Seele dem Teufel verkaufen, um dem Stau zu entkommen. Die besonders Ungeduldigen rasen links und rechts, auf der Gegenfahrbahn oder dem Fußgängerweg, an den wartenden Autoschlangen vorbei und riskieren dabei beileibe nicht nur ihre eigene Seele.

Ab in die Unterwelt


Was liegt also näher, sie in die Unterwelt zu verbannen? Ganz so menschenfeindlich, wie es sich zunächst anhört, sind die Pläne der Stadtplaner nicht. Sie wollen unter dem bestehenden Moskau eine Zwillingsstadt errichten mit Schnellstraßen, Parkhäusern und sogar Fahrradwegen.

Das Straßensystem Moskaus ist ringförmig angelegt. Was mit dem Ring um den Kreml beginnt, setzt sich mit dem Gartenring, dem dritten Ring und schließlich dem Moskauer Autobahnring MKAD von innen nach außen fort. Doch das Ringsystem sei veraltet und unbequem, meint Sergej Tkatschenko, Leiter des städtischen Forschungsbetriebs Genplan, der für die Erstellung eines Generalbebauungsplans der russischen Hauptstadt zuständig ist.

Schnell von Punkt A zu Punkt B unter Tage


„Wir müssen unterirdische Trassen bauen, die es erlauben die Stadt blitzschnell zu durchqueren und an jedem beliebigen Punkt zu gelangen, ohne an die Oberfläche zu müssen“, schlägt er vor. Diese „unterirdische Stadt“ erlaube es, die Fehler des oberirdischen Moskauer Verkehrssystems auszugleichen, meint Tkatschenko.

Bei Russland-Aktuell
• Umweltminister stellt sich vor Moskaus Grüne Lunge (29.09.2009)
• Bisher fast unbemerkt: autofreier Tag in Moskau (22.09.2009)
• Verkehrskonzept: Strassenhäuser über den Dächern Moskaus (02.09.2009)
• Stadtregierung plant Tiefgaragen unter dem Moskau-Fluss (14.07.2009)
• Moskau investiert 13 Milliarden Euro in Metro-Bau (11.03.2009)
Ganz neu sind diese Pläne nicht. Bereits vor einem Jahr hatte die Moskauer Stadtregierung die Pläne begutachtet und prinzipiell für gut befunden. Geplant war zunächst die Schaffung einer rechtlichen Basis und ab 2011 dann der tatsächliche Beginn der Bauarbeiten.

Unter Moskau wird fleißig gebuddelt


Die Krise hat diese Pläne zunächst zurückgeworfen. Doch ganz aus der Welt sind sie nicht, wie die neuerlichen Aussagen Tkatschenkos beweisen. Und tatsächlich wird auch schon vielerorts in die Tiefe gebaut.

So war Oberbürgermeister Juri Luschkow erst in der vergangenen Woche bei der Grundsteinlegung für den Alabjano-Baltiski-Tunnel unter der Schnellstraße Leningradski Prospekt und sogar unterhalb der dort verlaufenden Metrolinie.

Russische Hauptstadt ist einsturzgefährdet


Doch die Pläne, Moskau vollständig zu unterkellern, haben auch ihre Schattenseiten. So stellte ein Bericht, im Auftrag der Moskauer Stadtregierung noch in den 90er Jahren verfasst, fest, dass Moskau schon jetzt an vielen Stellen einsturzgefährdet ist. Erdrutsche und das Wegwaschen von Sand durch den vielerorts unterirdisch verlaufenden Fluss sorgen für reale Gefahren.

Zudem gibt es bereits ein weites Tunnelnetz unterhalb von Moskau. Angeblich sollen unter Stalin sogar schon geheime Metrolinien und Fernstraßen unter Moskau angelegt worden sein. Wie dem auch sei, durch das weitere Aushöhlen der Moskauer Unterwelt wird die Stabilität über der Erde nicht erhöht.

Gegenkonzept will hoch hinaus


Statt in die Tiefe abzutauchen, schlagen daher andere Verkehrsplaner vor, den Verkehr zu erhöhen. So genannte Straßenhäuser sollen die Verkehrsprobleme Moskaus lösen. Dieses Konzept sieht vor, auf den Häuserdächern Straßen zu bauen. Diese Integration von Häusern und Straßen lasse eine viel engere Bebauung und effektivere Platzausnutzung in Moskau zu, sind die Anhänger der hochfliegenden Verkehrspläne überzeugt.

Natürlich hat auch diese Variante ihre Gegner, allen voran Stadtarchitekt Alexander Kusmin. Der hält das Konzept der Hochstraßen in Russland für nicht anwendbar.

Bleibt also die konventionelle Variante, den Autoverkehr in der Stadt, stark einzuschränken und die Autofahrer in den öffentlichen Personennahverkehr zu drängen. Eine Selbsteinschränkung der Autofahrer scheint in Russland allerdings sogar noch unwahrscheinlicher als die exotischsten Straßenbauprojekte über und unter der Erde – also könnte durchaus eine der beiden Varianten verwirklicht werden.



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Abendstimmung im neuen Petersburger Meeres-Passagierhafen. Die Saison hat gerade erst angefangen, die Piers sind noch fast alle leer. In wenigen Wochen wird sich das Bild ändern, denn mit Beginn der Weißen Nächste setzt der Kreuzfahrtschiff-Run auf die russische nördliche Hauptstadt ein. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)



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