Die Fusion von Haus und Strasse zum Strassenhaus ist graphisch gelungen (Foto: strassenhaus.com)
Mittwoch, 02.09.2009
Verkehrskonzept: Strassenhäuser über den Dächern Moskaus
Moskau. Wenn alles gut geht, wird Moskau nicht nur mit Tiefgaragen, Metro und Einkaufszentren voll unterkellert, sondern auch noch mit einer zweiten Verkehrsebene über den Dächern überbaut. Dank einer deutschen Firma.
Wahrscheinlicher allerdings ist, dass es nicht gut geht - das meint zumindest der Moskauer Chef-Stadtarchitekt Alexander Kusmin, der im Auftrag des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow die Projektentwicklung leitet.
Unter dem Titel "Strassen über den Dächern" waren in den vergangenen Jahren verschiedene futuristische Konzepte diskutiert worden, den Dauerstau und die Verkehrprobleme der Metropole Moskau in den Griff zu bekommen.
Diskutiert wurde unter anderem, über den ins Zentrum führenden Eisenbahnlinien jeweils aufgestelzte Schnellstrassen zu bauen, die im Deutschen bisher meist banal als Hochstrassen bezeichnet wurden.
Nicht diskutiert wurden traditionelle alternative Verkehrkonzepte, die den Autoverkehr im Zentrum beschränkt hätten, denn daran lässt sich nur schlecht Geld verdienen.
Ausserdem brät ein neuer Russe lieber stundenlang bei Sommerhitze im Stau, als sein geliebtes teures Statussymbol irgendo abzustellen und ein paar Meter zu Fuss oder etwa gar per Fahrrad zu überwinden.
Bereits im Mittelalter berichteten staunende Reisende aus Moskau, die Bewohner dieser Stadt, die sich ein Pferd leisten könnten, würden auch die allerkürzesten Entfernungen schon aus Prinzip immer hoch zu Roß bewältigen.
Strassenhaus macht das Rennen mit einer Fusion von Haus, Strasse und Stadt
Das Rennen in der aktuellen Verkehrsdiskussion machte daher eines der Konzepte "Strassen über den Dächern", das von der britisch-deutschen Firma "Strassenhaus Ltd." vorgestellt wurde.
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Das Strassenhaus-Konzept sieht vor, den Verkehr prinzipiell über die Dächer rollen zu lassen, Häuser und Strassen zu einer integrierten Einheit zu fusionieren und den Raum unter den Strassen und neben den "Strassenhäusern" für das normale städtische Leben zu nutzen.
Der Verkehr stört nicht mehr und läuft schneller, auch breite Verkehrsflächen können zurückgebaut werden - und das alles in architektonisch angepasster, ökologisch sinnvoller Bauweise, sagt Strassenhaus.
Probestrecke im Süden Moskaus
Eine Probestrecke soll zunächst im Süden im Verlauf einer gebäudefreien Hochspannungstrasse durch ein Industrie- und Gewerbegebiet von der Ringautobahn MKAD bis zum Dritten Ring gebaut werden. Unter der neuen Schnellstrasse, die in 12 bis 13 Metern Höhe liegen soll, sollen Geschäfte, Büros und Parkhäuser angelegt werden.
Der für die Realisierung nur widerwillig zuständige Stadtarchitekt Alexander Kusmin meldet allerdings Zweifel an.
In Russland, so Kusmin, sei ein solches Projekt einfach nicht machbar. Die Hochstrassen seien nur für PKWs zugelassen. Es werde aber nicht lange dauern, bis ein Kamaz-LKW-Fahrer alle Verbotsschilder ignoriert und über die Dächer donnert.
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)