Wenn das nicht Liebe ist: Bürgermeister Luschkow legt seiner Frau den Wald von Chimki zu Füssen (Foto: TV/.Archiv)
Montag, 06.09.2010
Wald von Moskau-Chimki wird für Frau Luschkow gefällt
Moskau. Das Geheimnis des umstrittenen Autobahnbaus durch den Wald von Moskau-Chimki ist jetzt gelüftet. Eine Alternativtrasse entlang der Fernstrasse nach St.Petersburg würde ein Riesen-Wohnbauprojekt unmöglich machen, sagt Bürgermeister Luschkow.
In der offizielle "Rossijskaja Gaseta" schreibt der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow heute, die hart umkämpfte Autobahntrassenführung, der ein Teil der "Grünen Lunge" Moskaus zum Opfer fallen würde, sei die "logischste und wirtschaftlich am besten begründete".
Das Geheimnis der "logischen" Trassenführung besteht nach dem Artikel Luschkows darin, dass sie nicht entlang der bestehenden Fernstrasse verläuft, einen Bogen um profitables Moskauer Stadtgebiet macht - und ein grosses Wohnbauprojekt ermöglicht, das ursprünglich von Luschkows Ehefrau Jelena Baturina geplant war.
In der "Rossijskaja Gaseta" erklärt Luschkow zunächst, eine über der Eisenbahnstrecke nach St.Petersburg aufgestelzte Autobahnführung sei nicht finanzierbar und darum ein Hirngespinst. Tatsächlich ist diese Alternative nie ernsthaft diskutiert worden.
Eine andere Alternativtrasse, so Luschkow, würde durch das Stadtgebiet des Vorortes Chimki führen (der nicht zur Stadt Moskau gehört), dort etwa 50 Villen entschädigungspflichtig berühren und einen Stadtteil von Chimki zerschneiden. Darum sei auch diese Führung nicht sinnvoll.
Wenn aber schliesslich die neue Autobahn entlang der bestehenden Fernstrasse gebaut würde, würde sie durch das Dorf Molschaninowka führen, wo Wohnhäuser mit 200.000 Quadratmetern Fläche geplant seien. 3.000 bis 4.000 Familien würden auf absehbare Zeit keine neuen Wohnungen bekommen. Dieser Preis für diese Trassenführung, gemessen in menschlichen Schicksalen, sei viel zu hoch, schreibt Luschkow.
Tatsächlich ist (laut Internetquellen) auf Beschluss der Moskauer Stadtregierung vom 7.3.2006 geplant, das Dorf Molschaninowka, in dem 238 Menschen wohnen, bis Ende 2010 abzureissen. Ebenfalls evakuiert werden sollen zwei weitere kleinere Siedlungen. Bauherr für den dort geplanten neuen Moskauer Vorort in Flughafennähe war ursprünglich der Baukonzern Inteko, der der Luschkow-Gattin Jelena Baturina gehört.
Der in die Krise geratene Konzern Inteko soll aber im vergangenen Jahr das Bauprojekt aufgegeben haben. Es soll eine neue Ausschreibung geben.
Bemerkenswert ist, dass die Grundstücke entlang der alten Fernstrasse Moskau-St.Petersburg, über die eine neue Autobahn geführt werden könnte, der Stadt Moskau gehören und zu einem grossen Teil schon bebaut sind - was offensichtlich wirtschaftlich interessanter ist, als sie als Verkehrsreservefläche freizuhalten. Die neue Autobahntrasse durch den Wald von Chimki umgeht weitgehend die Moskauer Territorien.
In seinem Artikel schreibt denn auch der Moskauer Bürgermeister, da es für die neue Autobahn schon abgeschlossene Planungen und Genehmigungsverfahren gebe und der Wald sowieso schon weitgehend gefällt sei, sei es auch sinnvoll, an dieser umstrittenen Trasse festzuhalten, "leider".
Nach langen Protesten gegen die Abholzung des Waldes bei Chimki hatte der russische Präsident Dmitri Medwedew einen Baustopp und neue Gutachten und Anhörungen angeordnet.
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)