 |
|
| Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Ausstellungsgelände (Foto: Schdanow/.rufo) | |
Donnerstag, 08.04.2004
Wiedergeburt für Stalins Ausstellungsgelände
Von Karsten Packeiser, Moskau. Dem Gelände der ehemaligen sowjetischen Volkswirtschafts-Ausstellung stehen stürmische Veränderungen bevor. Die Moskauer Stadtregierung will die Anlage zur wichtigsten Moskauer Ausstellungsfläche umbauen lassen – auf dem mittelfristig auch die Weltausstellung stattfinden könnte. Erstes Opfer der Erneuerungspläne könnte der Pavillon „Kosmos“ werden, in dem sich zu Sowjetzeiten eine Weltraum-Ausstellung befand. Er soll nach Informationen der „Iswestia“ abgerissen werden.
|
|
Vor der Wende gehörte die „Ausstellung der volkswirtschaftliche Errungenschaften der UdSSR“ zum Pflichtprogramm nahezu jeder Pauschalreise in die sowjetische Hauptstadt. In über siebzig Pavillons wurden tatsächliche oder vermeitliche Spitzenerzeugnisse der sozialistischen Planwirtschaft präsentiert.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion verwandelten Händler das Gelände in einen riesigen Ramschmarkt. In den teils imposanten Ausstellungsgebäuden wurden seither Videorecorder und BHs verkauft. An kaum einem anderen Ort in Moskau war der Zeitgeist des russischen „Wildwest-Kapitalismus“ besser zu spüren, als hier. Über zehn Jahre dauerte es, bis auch Vizebürgermeister Iossif Ordschonikidse schließlich bemerkte: „Die Ausstellung ist total heruntergekommen.“
Der „Kosmos“-Pavillon ist inzwischen angeblich akut einsturzgefährdet. Die Satelliten und Raumanzüge des „Kosmos“-Pavillons waren bereits Anfang der 90-er Jahre wie Schrott zur Seite geschoben worden. Unter dem riesigen Portrait des ersten Raumfahrers der Welt fand stattdessen eine Gagarin-Disco statt. Zwischenzeitlich nutzten auch Autohändler den Hangar, um importierte Nobelkarossen auszustellen. Ausstellungs-Pressesprecher Alexej Schirow zu russland-aktuell, bislang sei noch nicht entschieden, was mit dem Gebäude geschehen werde.
Dem Willen des neuen Managements nach sollen nun Kleinhändler und Schaschlick-Brater ihre Sachen packen. Die in den letzten Jahren zwischen den pompösen Pavillons aus der Stalinzeit aufgebauten Kioske sollen allesamt wieder entfernt werden und das inzwischen in WWZ („Allrussisches Ausstellungszentrum“) umgetaufte Gelände in Zukunft wieder seiner ursprünglichen Bestimmung dienen. Einige der GUS-Republiken hätten inzwischen ihre alten nationalen Pavillons wieder übernommen, so Schirow.
|
Auch das weitere Schicksal des weltbekannten Denkmals „Arbeiter und Kolchosbäuerin“ bleibt unterdessen völlig unklar. Im vergangenen Jahr war das Monument zersägt und vom Platz vor dem Ausstellungsgelände abtransportiert worden. An seiner Stelle soll ein Einkaufszentrum entstehen, auf dessen Dach die Monumentalskulptur von Vera Muchina aus dem Jahr 1936 anschließend zurückkehren sollte. Nun fehlt für den Wiederaufbau Gerüchten zufolge das Geld.
(kp/.rufo)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>