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Die Sondereinsatztruppe OMON ist allgegenwärtig, aber kommt sie auch rechtmäßig zum Einsatz? Das wird wohl vor Gericht geklärt werden. (Foto: newsru.com)
Die Sondereinsatztruppe OMON ist allgegenwärtig, aber kommt sie auch rechtmäßig zum Einsatz? Das wird wohl vor Gericht geklärt werden. (Foto: newsru.com)
Dienstag, 02.02.2010

Zuhälterei? Moskauer Polizei klagt wegen Verleumdung

Moskau. Die Moskauer Sonderpolizei OMON als Söldnertruppe? Ein Artikel über die Verpachtung von Milizionären an Kriminelle und Oligarchen hat die Behörden aufgescheucht. Die Polizei will die Zeitung „New Times“ verklagen.

„Die Moskauer OMON hat nie vor Schwierigkeiten zurückgeschreckt. Darum haben wir uns auch heute entschieden, denen zu antworten, die unsere Einheit mit Dreck bewerfen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Polizei-Einheit. Der Artikel „entspricht nicht der Wahrheit“, heißt es weiter.

Prostituierte abkassieren, Mafiabosse bewachen


Berichtet worden war darüber, dass OMON-Kämpfer von ihren Vorgesetzten als Arbeitssklaven missbraucht werden. Sie werden abgestellt, um Prostituierte abzukassieren, kriminelle Autoritäten zu bewachen und geschäftliche Konflikte mit Gewalt zu lösen. Die Vorgesetzten kassieren anschließend, so die Zeitung „New Times“.

Das Blatt beruft sich dabei auf Zeugenaussagen zweier ehemaliger OMON-Kämpfer und auf mehrere Briefe, die die Ex-Beamten an die Präsidialadministration, die Abteilung für innere Sicherheit beim Innenministerium und verschiedene Stellen der Moskauer Polizei geschickt haben.

OMON-Beamte ohne Rechte gegenüber der Führung


Das korrupte System werde dadurch aufrecht erhalten, dass die Polizisten keine Moskauer seien – „die stellen zu viele Fragen“ – wird der Kommandeur des Bataillons Sergej Jewtikow zitiert, sondern aus anderen Regionen stammen. Sie seien, da sie weder eine Wohnung noch Verbindungen in Moskau haben, völlig abhängig vom Bataillonskommandeur.

Bei Russland-Aktuell
• Skandal: Moskauer Sonderpolizei muss illegal arbeiten (01.02.2010)
• Spritztour von Polizei und Prostituierten endet tödlich (21.01.2010)
• Ein Drittel der russischen Polizisten gemeingefährlich (18.01.2010)
• Moskau: Überwachungs-Kameras liefern falsche Bilder (13.01.2010)
Hinzu komme, dass sich die meisten Polizeioffiziere von ihren Untergebenen bereits bei der Einstellung eine undatierte Entlassungserklärung geben lassen. Kommt es zu Konflikten, können Unbotmäßige sofort aussortiert werden. Kommt es zu irgendwelchen Zwischenfällen im Einsatz, wird der Entlassungsschein sogar mit einem rückwirkenden Datum ausgefüllt. Die Führung kann in dem Fall behaupten, dass der entsprechende Beamte schon lange entlassen worden sei.

Klage gegen die New Times


Die OMON will wegen Verleumdung der Einheit und des Bataillonskommandeurs Jewtikow klagen. Auch die Presseabteilung der Moskauer Polizei nannte den Artikel bereits „Verleumdung“.

Die New Times sei bereit zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, erklärte die Heraus- geberin Irina Lesnewskaja: „Wenn uns die OMON verklagt, so ist das ihr Recht, dann werden wir uns vor Gericht sehen“, sagte sie. Nach Angaben Lesnewskajas habe die Zeitung genug Beweis- material, um ihre Aussagen zu untermauern.



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