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Der russische Dompteur Andrej Schirakalow mit seinen Tigern in der Manages (Foto: Ruscircus.ru)
Der russische Dompteur Andrej Schirakalow mit seinen Tigern in der Manages (Foto: Ruscircus.ru)
Montag, 14.09.2009

Clowns und Dressur gut, Bauchreden fast ausgestorben

Moskau. Wilde Tiere, starke Männer, schöne Frauen, mutige Akrobaten und Clowns zum Totlachen - Top-Zirkus-Darsteller aus aller Welt zeigen auf dem 4. Internationalen Zirkusfestival vom 15. bis 20. September in Moskau ihr Können.

Mit dem 4. Internationalen Zirkusfestival begeht der russische Staatszirkus seinen 90. Geburtstag. “Moskau hat nie etwas Ähnliches gesehen,” versichert der Regisseur des 4. Moskauer Zirkusfestivals Alexander Kalmykow auf einer Pressekonferenz.

In einem Zirkuszelt im Siegespark bringt er für knapp eine Woche Clowns, Seiltänzer und Akrobaten, Jongleure und Bauchredner, Dompteure und wilde Tiere aus mehr als 25 Ländern zusammen. Sie kommen aus Ländern wie Australien, den USA, Deutschland, Frankreich, Spanien, der Mongolei, Philipinnen oder China. Unter ihnen auch Preisträger des letzten Zirkusfestivals von Monte Carlo.
“Stellen Sie sich vor, gerade jetzt werden im Hafen von Kopenhagen vier afrikanische Elefanten und zwölf Pferde verschifft und fahren dann über Tallinn nach Wyborg. Dort empfangen wir die Tiere und bringen sie unter Begleitung der Verkehrspolizei zum Siegespark,” erzählte Kalmykow wenige Tage vor der Festivaleröffnung.

Die Pferde und Elefanten machen die Schiffsreise nicht zufällig zusammen, denn sie gehören zu einer Vorführung namens “Pferde und Elefanten” der deutschen Darsteller Alexia und Rene Casselli, Preisträger des Zirkusfestivals in Monte Carlo. Die Dressur Cassellis gilt als einmalig, weil eine Zusammenarbeit dieser Tiere in der Arena sonst als gefährlich gilt und deshalb kaum versucht wird.

Bauchreden – ausgestorben in Russland


Unter den weiteren renommierten Teilnehmern, die im letzten Jahr in Monte Carlo ausgezeichnet wurden, sind der junge spanische Jongleur Roni Gomez und der schweizer Bauchredner Willer Nicolodi.

Spanische Drahtseil-Akrobaten in Moskau 2007 (Foto: Ruscircus.ru)
Spanische Drahtseil-Akrobaten in Moskau 2007 (Foto: Ruscircus.ru)
Bauchreden sei eine Kunst, die als Form des Zirkus in Russland so gut wie ausgestorben sei, meint der Generaldirektor des russischen Staatszirkus Mstislaw Sapaschnyj. “Eines der Ziele unseres Festivals ist es deshalb, den russischen Zuschauern auch die Richtungen zu zeigen, die hier im Lande aus verschiedenen Gründen nicht präsent sind,” so Sapaschny zu Russland-Aktuell.

Die Clownerie sei zwar nicht am Aussterben. Gute Clowns gebe es jedoch in den Zirkussen weltweit immer weniger, meinen die Organisatoren. Zum Festival sind drei der Besten eingeladen: Neben seinen Kollegen aus Russland und Armenien tritt im Festival Barry Lubin auf, der mehr als “Grandma” bekannte Clown des Big Apple Circus in New York.

Westlicher Zirkus erschüttert etablierte Vorstellungen


“Die russische Zirkusausbildung ist eine der besten. Jedoch aus dem Westen kommen die frischesten Ideen,” meint Walentina Sawina, die die Moskauer Zirkusschule leitet. Nach ihrer Meinung haben die westlichen Zirkusse oft dieselbe Wirkung auf russische Zuschauer wie die westlichen Theater: Sie erschüttern alle etablierten Vorstellungen.

Bei Russland-Aktuell
• Russland Geschichte: Verstaatlichung der Zirkusse (26.08.2009)
• Zirkus statt Klassik beimTschechow-Theaterfestival (25.05.2009)
• Moskauer Zirkus: ein Clown und seine Akrobatinnen (14.04.2008)
• Unser Wochenendtipp: Neujahrs-Märchen im Zirkus Nikulin (04.01.2008)
• Millionenschwerer Skizirkus in Petersburg geplant (24.05.2005)
Die hohe Kunst des russischen Zirkus zeigen beim Festival vor allem Dompteure und Equilibristen aus mehreren Regionen des Landes. Besonders spektakulär ist nach Meinung der Organisatoren die Aufführung “Auf den Ruinen eines alten Schlosses” von Andrej Schirokalow – eine gemischte Dressurvorstellung von Tigern, Leoparden und schwarzen Pantern.

Eine der interessantesten Aufführungen aus dem Orient sollte die Show “Balance auf den Köpfen” der Akrobaten-Truppe Hangzhou aus China sein. Ein Dutzend Männer werfen einander mit den Köpfen den dreizehnten Akrobaten zu, welcher, ohne Hilfe der Hände balancierend, dann auf diesen Köpfen steht.

90 Jahre seit der Verstaatlichung der russischen Zirkusse


Das Internationale Zirkusfestival Moskau findet seit seiner Premiere im Jahr 1996 zum vierten Mal statt. Grund für die Unterbrechungen war mal die fehlende Finanzierung, mal der fehlende Anlass.

Anlass für die diesjährige Veranstaltung ist das 90. Jubiläum seit Bestehen des russischen staatlichen Zirkus'. 1919 wurden nämlich alle Zirkusse des Landes in ein Staatsunternehmen vereint. Die meisten Zirkusse sind bis heute Mitglieder dieser Vereinigung geblieben.

Der Präsident der Vereinigung Mstislaw Sapaschny nennt seine Organisation scherzhaft “ein Zirkus-Gazprom”, und meint damit, dass nur dank ihrer viele Zirkusse überleben können. Eines der Beispiele der Unterstützung durch den Staatszirkus ist laut Sapaschny der Zirkus in Nischni-Nowgorod. Er ist einer der ältesten in Russland und konnte vor wenigen Jahren vollständig modernisiert werden.

Nach einer Preisverleihung in Moskau am 20. September fahren die Preisträger des 4. Internationalen Festivals darum schon am nächsten Tag nach Nischni Nowgorod – auf eine Gastvorstellung unter der Kuppel des Zirkusses dort.


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