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Riesige Videowände zeigen, was beim Maxidrom auf der Bühne abgeht. (Foto: Heyden/.rufo)
Riesige Videowände zeigen, was beim Maxidrom auf der Bühne abgeht. (Foto: Heyden/.rufo)
Dienstag, 31.05.2011

Maxidrom: Korn und The Prodigy heizen Moskauern ein

Ulrich Heyden, Moskau. Sonnenschein, viel Bier und wilde Pogo-Tänze unter den Augen der Polizei: Nach zwei Jahren Pause gab es am Sonnabend wieder das Rock-Festival Maxidrom, diesmal als Open-Air-Fest auf dem Tuschino-Feld.

Wer eher auf lyrischen Rock stand, kam schon mittags und konnte sich Pop aus Lettland (Brainstorm), Schwermütiges aus Russland (Zemfira) und Soft-Rock aus Schottland (Travis) anhören. Die Liebhaber von harten Sachen kamen erst gegen Abend, als „Korn“ und „The Prodigy“ aufspielten und das Tuschino-Feld mit Nu Metall und Electro-Punk zur Ekstase trieben.

Pappkartons voller Bier


Wer bei der Hitze ein Bier wollte – selbst durfte man keine Alkoholika mitbringen –, brauchte Geduld. Vor den Ständen einer russischen Brauerei bildeten sich lange Schlangen. Das jugendliche Publikum ertrug es mit Gelassenheit. Um nicht immer wieder neu anstehen zu müssen, zogen die Unersättlichen vom Stand der Brauerei mit ganzen Pappkartons voll mit gezapften Bieren ab.

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Einen schweren Stand hatte die Russin Zemfira. Nicht weil sie schlecht sang, sondern weil ihr der Sound nicht gefiel. Und obwohl sie mehrmals verzweifelt die Arme in die Luft warf, änderte sich daran bis zum Schluss ihres Auftritts nichts.

Wenn der Sound-Mixer während des Auftritts ein Buch lese, könne es ja keinen vernünftigen Klang geben, patzte die Sängerin irgendwann ins Mikrofon. Interessant waren ihre neuen Arrangements, alte Stücke in elektronischer Bearbeitung. Besonders gepfeffert kam der zur Gitarre begleitete Song „Bes schansow“ (Chancenlos) daher.

Die Festival-Organisatoren von „Radio Maximum“ hatten ansonsten technisch für alles gesorgt. Es gab zwei riesige Bühnen, die im Wechsel bespielt wurden, und mehrere riesige Video-Bildschirme, wichtig vor allem für die, welche die 50 Euro für die Fan-Zone nicht aufbringen konnten.

Google hilf!


Die Überleitung von der schwermütigen Zemfira zum Nu Metall bewerkstelligten die schottischen Soft-Rocker von „Travis“. Leadsänger Fran Healy trat mit Strohhut auf, was zur weichgespülten Musik ebenso gut passte wie zum heißen Wetter.

Gern hätte er einen Gruß auf Russisch übermittelt, gestand Healy ein, doch das Google-Übersetzungsprogramm habe ihm nur unverständliche Hieroglyphen geliefert. Die Zuschauer forderte er auf, das Festival für neue Bekanntschaften zu nutzen und spielte dann den Song „Closer“.

Arme hoch, und los geht der Wahnsinn beim Moskauer Maxidrom. (Foto: Heyden/.rufo)
Arme hoch, und los geht der Wahnsinn beim Moskauer Maxidrom. (Foto: Heyden/.rufo)
Gegen Abend steigerte sich die Stimmung zur Ekstase. Tausende von Armen reckten sich in Höhe als Jonathan Davis, der Sänger von Korn, über die Bühne fegte. Treibende Bass-Slaps und virtuose Trommel-Einsätze trieben die Leute zum Wahnsinn. Junge Männer rissen sich die T-Shirts vom Leib und tanzten den Pogo.

Patriotisches Zwischenspiel mit Grenzschützern


„Korn“ hatte gerade die Bühne verlassen, da stand schon ein öliger Moderator da und erkundigte sich nach dem Wohlbefinden des Publikums. Alles grölte zustimmend. Die Einschmeichelei war nur ein Vorspiel für ein patriotisches Ritual.

Nach dem Moderator rief ein Abgeordneter der Kreml-Partei „Einiges Russland“ ins Mikrofon, ob die Leute eigentlich wüssten, dass heute der Tag der Grenztruppen sei? Das Publikum wirkte irritiert.

Obwohl der Abgeordnete zwei waschechte Grenzschützer in Tarnuniform mitgebracht hatte, hatte das Publikum sichtlich keine Lust, sich nach dem Rock-Gewitter in ein patriotisches Ritual zwingen zu lassen. So verschwand der Duma-Abgeordnete mit seinen Grenzschützern schnell wieder von der Bühne.

„Kill the invadors“


Nach dem kaum beachteten Zwischenspiel führten Keith Flint und Maxim Reality von „The Prodigy“ auf der Bühne einen Tanz der Dämonen auf. Mit herrischen Blicken machten sich die beiden Tänzer und Sänger das Publikum zum Untertan. Und es schien als ob die jungen Russen gerade darauf gewartet hatten.

Renat, ein junger Versicherungsangestellter, der am Nachmittag noch von den sanften Rock-Balladen Zemfiras geschwärmt hatte, flippte völlig aus. Zehntausende schrien die Songs aus Leibeskräften mit. „Kill he invadors“ (Tötet die Eindringlinge) schallte es aus Tausenden Kehlen.

Mit gebieterischen Armbewegungen schaffte es der farbige Leadsänger Maxim Reality immer wieder, Lücken für die Pogo-Tänzer zu schaffen, die sich gegeneinander warfen oder einfach nur im Kreis rannten, fast so wie beim tschetschenischen Volkstanz „Sika“. Der grandiose Auftritt des farbigen Leadsängers aus England löste alle russischen „Neger“-Feindbilder in Luft auf.

„Wo sind meine Engländer?“

Fast flehentlich fragte Maxim Reality irgendwann: „Were are my UK-citizens?“ Die paar Engländer, die es auf dem Tuschino-Feld wohl gab, wurden leider nicht gehört, denn Tausende Russen grölten sofort los, als ob man sie gerade direkt angesprochen hatte.

„We want more“ rief die verrückte Menge, nachdem die Musiker die Bühne geräumt hatten. Die beiden Dämonen kamen noch einmal zurück und befahlen, in die Knie zu gehen, was alle brav mitmachten, und dann aufzuspringen, was ebenfalls befolgt wurde.

Schließlich wurde es ruhig auf dem Festival-Gelände. Unter den strengen Befehlen der Sonderpolizei Omon zogen die Besucher Richtung U-Bahn. Was blieb, war ein Sausen im Ohr und schnarrend-übersteuerte Videos, die man am Montag den Arbeits-Kollegen im Büro vorführen wird.


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jich 31.05.2011 - 19:22

kill the invaders

Eigentlich heisst das Lied \"Invaders Must Die\" und ist sowohl live, als auch von der Schallplatte ein echter Hit.


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