Montag, 10.09.2012

Moskau: Museumsleben zum Anfassen und Mitmachen

Die Moskauer Galerie "Vinzavod" ist bekannt für ihre modernen Ansätze. (Foto: Moskowskije Nowosti)
Moskau. Vom 13. – 16. September zeigt die Moskauer Galerie für moderne Kunst „Vinzavod“ mit der Ausstellung „Museum Guide“ einen Überblick über die interessantesten und innovativsten Museumsprojekte Russlands.
Vertreten sind sechs Projekte aus den unterschiedlichsten Städten und Regionen Russlands. Sie sind Sieger im von der Potanin-Stiftung veranstalteten Wettbewerb „Das sich ändernde Museum in der sich verändernden Welt“ und erhalten von dort Fördermittel.

Weltkriegsteilnehmer im O-Ton


Einen ganz neuen Blick auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs eröffnet die Ausstellung „Soldaty. Soldiers. Soldaten“ aus der Ural-Industriestadt Nischni Tagil. Hier sind die von der Zeit vergilbten Briefe von Frontsoldaten nicht nur zu sehen, sondern zu hören.

Schauspieler sprechen die Texte von russischen, deutschen, englischen, französischen, amerikanischen und italienischen Soldaten in der Originalsprache nach und vermitteln dadurch das Gefühl der unmittelbaren Gegenwart an den schrecklichen Geschehnissen jener Jahre.

Die Ausstellungsmacher verfolgen damit das Ziel, „das Defizit an Toleranz und Mitgefühl in der Gesellschaft zu überwinden“ und gegen die heute weit verbreitete Romantisierung des Krieges anzugehen.

Erfindende Menschen und rollende Museen


Die Schau „Der erfindende Mensch“ aus der südrussischen Metropole Rostow am Don möchte dem Besucher die Einheit von Kunst, Technik und Wissenschaft ans Herz legen. Dafür werden die wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte in einer Art interaktivem Schauspiel gezeigt.

„Das Land Gajdarika“ aus St. Petersburg unternimmt den Versuch, Arktis-Expeditionen der 1930-er Jahre und Helden und Szenen der Bücher des damals wichtigsten Kinderbuchautors Arkadi Gajdar unter einen Hut zu bringen – alles vereint auf einem „Dachboden“, wo Groß und Klein in die geheimnisvolle, im Halbdunkel verborgenen Welt vergangener Zeiten eintauchen kann.

Aus dem fernöstlichen Nachodka kommt das Projekt „Museen auf Rollschuhen“. Es richtet sich vor allem an Jugendliche und stellt eine Mischung aus Museum, Labor und Freizeitzentrum dar. Hier gibt es z. B. Ausstellungsstücke auf rollenden Unterbauten, die ständig neu zusammengestellt werden.

Geboten wird ungewöhnlicher Unterricht in Geschichte, Zeichnen und naturwissenschaftlichen Fächern. Die Schüler können eigene Videofilme (im Russischen „Roliki“, also Rollen) drehen, außerdem gibt es im Hof die Möglichkeit zum Rollschuh- und Skatebordfahren.

Die Potanin-Stiftung bemüht sich seit Jahren erfolgreich um die Förderung innovativer Ideen in der russischen Museumslandschaft. Das statische „Frontalmuseum“ gehört immer mehr der Vergangenheit an, auch jenseits der Hauptstädte Moskau und St. Petersburg.