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| Impressionistisch? Die Galerie Romanow zeigt verschiedene Stile - Hauptsache, sie sind romantisch (Foto: Romanow Galerie) | |
Dienstag, 10.02.2009
Romanow Galerie: Treff für Romantiker und Künstler
Moskau. Wenn mal wieder schlechtes Wetter herrscht in Moskau, kann man entweder die Zeit verschlafen oder sich etwas Unbekanntes erschließen, etwas Neues anschauen. Zum Beispiel die Galerie Romanow. Kennen Sie nicht?
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Da sind Sie nicht allein: Versteckt und noch nicht mal bei allen Kunstfreaks bekannt, gibt es eine Galerie, die sich grundlegend von anderen Galerien unterscheidet und sich einem besonderen Thema verschrieben hat. Die Inhaber wollen als verbindendes Element im Schaffen von drei Moskauer Künstlergenerationen die romantischen Momente herausarbeiten.
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Gemütlicher Plausch über die Moskauer Kunstszene Ein Besuch in der Galerie Romanow vertreibt trübe Gedanken, versetzt den Betrachter in einen angenehmen Schwebezustand. Nach dem Betrachten der Bilder setzt sich der Kurator gern mit den Besuchern bei einer Tasse Tee zusammen, erzählt Geschichtchen und Anekdoten über „seine“ Künstler und erklärt Trends und Besonderheiten der Moskauer Kunstszene und des Kunstmarktes.
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| Romanow Galerie (Foto: Pjatnizki) |
Häufig gesellen sich auch noch die Künstler selbst dazu. Inmitten der wunderschönen Bilder, bei heiteren Gesprächen fühlt man sich in die Zeit der Salons versetzt und möchte eigentlich gar nicht wieder weggehen.
Hartes Kunstgeschäft in Russland Eine Künstlerin gehört noch nicht lange zur Familie der Romanow´schen Galerie. Sie hat sehr lange ohne Galeristen gearbeitet. Das hatte mehrere Gründe. Der Kunstmarkt ist ein Haifischbecken, da kann man ganz schnell gefressen werden. Nicht alle Galeristen sind des Künstlers Freund. Sie ziehen ihre braven Maler ganz schön über den Tisch.
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Wenn dann plötzlich ein Maler „in“ ist, wird er vom Galeristen total „ausgelutscht“ und regelrecht vor die Leinwand getrieben. Dann ist es aber genau so schnell vorbei, wie es begonnen hat, und er wird kalt gestellt. Das ist für niemanden besonders gut, aber zarte Künstlerseelen können glatt daran zerbrechen.
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Nadeschda Sewerina – Künstlerin von Selbstzweifeln geplagt All das hielt Nadeschda Sewerina davon ab, sich Galeristen anzuvertrauen. Außerdem konnte sie sich von ihren Bildern nur schwer trennen. Sie stellte in Gemeinschaftsausstellungen ihre Werke im zentralen Haus der Künstler (ZDCh) aus, schwer von Bedenken geplagt, ob sie denn schon reif und würdig sei, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.
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| Nadeschda Sewerina - Künstlerin mit Selbstzweifeln (Foto: Romanow Galerie) | |
Dann fuhr sie mit einer Gruppe russischer Maler zu einer Ausstellung nach Magdeburg. Um die Weihnachtszeit herum stellte sie ihre Bilder im Berliner Haus der russischen Kultur in der Hoffnung aus, dass sie etwas verkaufen könne.
Unterstützung der Familie Ohne Unterstützung ihrer Familie hätte sie längst aufgeben müssen. Ihr Mann und die beiden Töchter hielten die Haushaltskasse auf einem verträglichen Niveau, Nadja selbst arbeitet streckenweise auf fünf Arbeitsstellen zugleich. Modezeichnerin, Buchillustratorin, Reinemachefrau – um nur einige Tätigkeiten zu nennen.
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Die Mädchen verdienten nicht nur ihr Studium selbst, sie schafften es auch noch, mit für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen, sei es als Nachhilfelehrerin oder als Näherin in langen Nächten. Die für Moskauer Verhältnisse ungewöhnlich große Wohnung von vier Zimmern half auch beim Geldverdienen mit. Studenten, Praktikanten, eine Ballerina aus Lateinamerika, Individualtouristen wurden beherbergt und bieten nun ihrerseits Anlaufpunkte für Nadjas ausgedehnte Malreisen. Ihre dabei entstandenen Gemälde, ihr Reisetagebuch sozusagen, bilden einen einmalig schönen Bestandteil ihres Werkes.
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Motive in der russischen Provinz Jeden Sommer fährt sie auf ein Dorf im Gebiet Kaluga, um zu malen. Dort hat sie einmal alle Dorfbewohner portraitiert und dann eine Ausstellung in einem Holzhaus eröffnet. Am Ende schenkte sie jedem sein Konterfei.
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Selbst im Großstadtgetriebe von Moskau fand sie unberührt anmutende Ecken, wohin sie sich zurückzog, um diese Motive für die Nachwelt festzuhalten. Inzwischen ist da schon nicht mehr viel Romantik übrig, die schmucken Holzhäuschen in Sokol mussten protzigen Eigenheimen weichen. Wer sich diese Bilder betrachtet wird von Trauer und Wehmut ergriffen. Innerhalb der letzten Jahre wurde diese Oase in der Riesenstadt zielgerichtet vernichtet.
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Wenn das Heimweh nach dem Altai, wo sie geboren wurde und wo sie Kindheit und Jugend verlebte, übergroß wird, packt sie die Malutensilien ein, setzt sich in den Zug und fährt los. Im Moment sind ihre Altai-Bilder auf einer Ausstellung in Joschkar-Ola zu sehen.
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| Brücken, Wasser und Natur sind bevorzugte Motive der Malerin. | |
Zeichnen und Malen war von Kindheit an ihre Passion, ihr Zeichenlehrer half ihr uneigennützig die ersten Schritte zu tun. Die Entscheidung, an der Textiluniversität in Moskau Bekleidungs- und Schuhdesign zu studieren, gründete sich auf der Möglichkeit, in diesem Studiengang auch malen zu können.
Um direkt auf eine Kunsthochschule zu gehen, fehlte ihr der Schneid, denn sie hatte keine vorbereitende Ausbildung. Nähen und Taschen anfertigen halfen ihr dann später auch, sich und die Familie über Wasser zu halten. Ihre jüngste Tochter tritt in ihre Fußstapfen. Sie näht jetzt an ihrer Diplomkollektion und an fünf Paar Schuhen. Noch sieht sie in der Modebranche ihre Zukunft, aber in ihr schlummert ein großes Talent zum Malen.
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Glückliche „Ehe“ mit der Romanow Galerie Nadja ist mit „ihrer“ Galerie Romanow glücklich, nennt sie eine demokratische, wo der Galerist kein Antreiber und Halsabschneider ist, sondern sehr viel Verständnis für die Maler hat. Vor jeder Ausstellungseröffnung kann sie nächtelang nicht schlafen, wird sie von trüben Gedanken geplagt, ob sie den Ansprüchen genüge, ob sie ihr Werk der Öffentlichkeit präsentieren solle.
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Bleich steht sie dann, von ihren Töchtern flankiert, und wartet auf die ersten Reaktionen der Besucher. Ihr Mann mischt sich unters Volk, um ein paar geflüsterte Meinungen aufzuschnappen und Nadja beruhigen zu können. Das ist an solch einem Abend seine wichtigste Mission.
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(mw/.rufo/Moskau)
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