Eine öffentliche Badeanstalt - aber was für eine! Die luxuriösen Sanduny-Bäder in Moskau (Foto: sanduny.ru)
Dienstag, 22.02.2011
Sanduny-Banja: Ein Bad für Körper und Seele
Moskau. Im alten Zentrum von Moskau, im Stadtbezirk Kusnezki Most, in der Neglinnaja Straße, befindet sich ein besonderes Kleinod, die Sandunow-Bäder. In solcher Pracht kann man sonst nirgendwo schwitzen.
1808 wurde diese einzigartige Banja vom Schauspieler Sila Nikolajewitsch Sandunow gegründet. Im Verlaufe des 19. Jahrhundert wechselten die Sanduny, wie die Bäder im Volksmund gern genannt werden, mehrfach den Besitzer, wurden sogar einmal beim Kartenspiel verloren.
Seit 1896 sind die Bäder für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie galten als architektonisches und ingenieurtechnisches Meisterwerk, das Wasser wurde aus einem 700 Fuß tiefen artesischen Brunnen geholt. Bis zu 400 Bademeister, die die Banjabesucher wuschen und mit den Besen aus Birken- oder Eichenzweigen im Schwitzraum bearbeiteten, waren damals dort beschäftigt.
Bis heute sind die Sanduny das bekannteste Schwitzbad in Moskau, ja vielleicht sogar in ganz Russland. Politiker, Unternehmer, Stars und Spitzensportler schwitzen hier gemeinsam mit den normal Sterblichen. Das ist nicht ungewöhnlich, denn in der Banja herrscht wirkliche Demokratie. Holzgeschnitzte Schilder bekräftigen das: „W banji generalow net!“ In der Banja gibt es keine Generäle, will heißen, keine Obrigkeit, alle sind gleich.
Der kleine Unterschied
Männer und Frauen schwitzen getrennt. Für die Männer stehen drei verschiedene Banjas in verschiedenen Preisklassen bereit, für die Frauen nur zwei. Wer gemeinsam mit seinem Partner schwitzen möchte, kann kleine Saunen mieten, was den Genuss deutlich schmälert, denn gerade die großen Schwitzräume sind das Besondere an den Sanduny.
Die mittlere und die obere Preisklasse für die Männer bieten Banjavergnügen in luxuriösem und architektonisch außergewöhnlichem Ambiente. Deckenmosaiken erfreuen das Auge, große Schwimmbecken mit unterschiedlicher Wassertemperatur den Körper.
Hier bewachen echte Löwen die Garderobe (Foto: sanduny.ru)
Bei den Frauen geht es weniger komfortabel zu, denn sie spielten im 19. Jahrhundert noch keine große Rolle im öffentlichen Leben. Aber im Vergleich zu anderen öffentlichen Bädern ist es in den Sanduny trotz dieser kleinen Ungerechtigkeit um Längen besser.
Die nötigen Banjautensilien
Für einen Banjabesuch werden Handtücher, ein spezieller Filzhut, ein großes Laken, Badepantoffeln und viel pflegende Kosmetik sowie ein Birken- oder Eichenbesen benötigt. All das kann in den Sanduny auch erworben oder geliehen werden, eingefleischte Banjabesucher bringen jedoch ihre eigenen Utensilien mit.
Nach mehreren Saunagängen, unterbrochen durch Kaltwassergüsse oder Schwimmen im Becken, kommen bei den Frauen individuelle Körperpeelings zum Einsatz, zum Beispiel Kaffeesatz mit hochprozentiger Sahne oder geraspelter Mais mit Honig.
Die Koordinaten
Adresse: Uliza Neglinnaja 14, Block 3-7 nächste Metro: Kusnezki most oder Trubnaja Tel. 495/6254631 Die Öffnungszeiten der einzelnen Abteilungen und die - nicht geringen! - Preise erfährt man am besten auf der Webseite www.sanduny.ru
Die können auch vom Banschtschik oder der Banschtschiza, also den Bademeistern, nach einer intensiven Waschung aufgetragen werden. Diese übernehmen auch gerne gegen ein nicht geringes Entgeld die Prozedur des Schlagens mit den Birkenbesen. Das erhöht die Durchblutung und vertreibt Verspannungen, führt zu einem regelrechten Hochgefühl.
Zwischen den Saunagängen wird gern Tee getrunken, aber auch Kwas oder ein kühles Bier werden gern aus dem Restaurant der Sanduny gebracht.
Nach der dreistündigen Prozedur verlassen rundum erneuerte Besucher diese klassische Kultstätte der Erholung und Entspannung.
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