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| Festival-Organisator Fjodor Pawlow-Andrejewitsch, Volker Schlöndorff und der Vertreter von Sponsor MIZ. Nicht im Bild: Co-Veranstalter Johannes Ebert vom Goethe Institut (Foto: Jahn/.rufo) | |
Donnerstag, 13.11.2008
Volker Schlöndorff in Moskau: Diesmal als Asiate
Moskau. Der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff war gestern Gast des Kulturfestivals „Rozamira“. Auf dem Programm im Kino „Udarnik“: Der Film „Ulschan“ und – noch interessanter – eine autobiographische Vorlesung.
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„Ich bin heute nicht als deutscher, sondern als asiatischer Regisseur in Moskau“, scherzte Volker Schlöndorff vor der Vorführung seines Films „Ulschan“ und diktierte – ganz Medienprofi – den dankbaren Journalisten den Artikelauftakt griffig in den Notizblock.
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Eine deutsche Film-Fatamorgana Das Kulturfestival „Rozamira“ hatte den deutschen Erfolgsregisseur nach Moskau eingeladen, dessen Namen vor allem mit der Verfilmung von Günter Grass „Blechtrommel“ verbunden ist. „Rozamira“ stellt in diesem Jahr Künstler, Bildende Kunst, Fotografie und Musik aus Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan, Tadschikistan und China vor. Schlöndorffs Film „Ulschan“ aus dem Jahr 2007 spielt in Kasachstan und gehörte deshalb zum Programm.
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Die Story des Films, bei dem David Benett, der Darsteller des Blechtrommel-Oskars mitspielt, ist schnell erzählt: Der Held, ein Franzose, irrt durch die weite Steppe Kasachstans. Der Mann hat eine Tragödie erlitten – in einem Autounfall sind seine Frau und seine beiden Kinder ums Leben gekommen. Er will in der Einsamkeit sterben.
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Der Franzose sucht Ruhe im Land der Schamanen und findet ein von Öl und Atomtests verseuchtes, menschenleeres Land. Ein Land, in dem die neue, futuristische Hauptstadt Astana, gebaut auf Wüstensand und zwischen dornigen Büschen, wie eine Fatamorgana oder einsam wie ein Raumschiff auf dem Mond wirkt.
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| Kasachische Filmheldin bei Schlöndorff: Die Lehrerin Ulschan |
Psychische Rettung in der Einöde Auf seinem Irrlauf durch die Steppe lernt der Franzose in einem Dorf die Lehrerin Ulschan kennen. Obwohl er sie mehrfach zurückweist, weicht sie nicht mehr von seiner Seite und streckt dem lebensmüden Helden ihre Hand entgegen. Die Rettung des Helden scheint am Filmende möglich.
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„Ich habe mich unter anderem von Wsewolod Pudowkin, vom Film "Sturm über Asien" und von Andrej Kontschalowskis "Der erste Lehrer" inspirieren lassen“, erklärte Schlöndorff. In Kontschalowskis Film gehe der Lehrer aus der Stadt in die Steppe, um dort den Menschen den Sozialismus als rettende Botschaft zu bringen.
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In seinem eigenen Film fliehe der vom Schicksal geschlagene Mensch aus der Zivilisation und suche den Sinn in der Einöde der Steppe, im Schamanismus – der Reisende sehe das, was er mitbringe, kommentierte Schlöndorff: In Kasachstan sehe der Franzose das Land der Schamanen. Die Rettung finde der Held aber schließlich durch Zufall, nicht im Schamanismus, sondern in einem realen Menschen, in der Dorfschullehrerin Ulschan.
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Mensch mit vielen Identitäten Vermutlich für viele Gäste noch interessanter als der Film: Schlöndorffs autobiographische Vorlesung vor der Vorführung. Rund 45 Minuten referierte der Regisseur unterhaltsam und eindringlich seine bewegte Biographie.
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Schlöndorff gliederte sein Leben in viele Einzelidentitäten: Den kleinen Jungen im besiegten Deutschland, der zu den GIs der US-Army aufschaut und von Amerika träumt; den Schüler in Frankreich, der seine deutsche Herkunft gegen die Identität des Franzosen eintauschen will; den Erfolgsregisseur, der den Oscar und die Goldene Palme gewinnt und es nach Hollywood geschafft hat; und schließlich den Heimkehrer, der in Berlin Zeuge der Vereinigung von Ost- und Westdeutschland wird.
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Schlöndorff bleibt auch heute weiter in Bewegung. „Im vergangenen Jahr bin ich mit meiner Frau durch Kirgisien gewandert“, berichtet er. Wahrscheinlich sei es das beständige Leben in der Großstadt, das ihn immer wieder zu Ausbrüchen in die Abgeschiedenheit treibt – beispielsweise in die der zentralasiatischen Steppen, wo auch der Film „Ulschan“ entstand.
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Das Festival „Rozamira“ dauert noch bis zum 18. November an. Das abwechslungsreiche Programm in englischer Sprache steht unter www.roza-mira.com im Internet.
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Weitere Ausgehtipps finden Sie in unserem Veranstaltungs-Kalender.
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